Ausflüge & Erlebnisse

Für einen Euro in den Traumurlaub - Ferien in Sámara.

Wenn man in Guanacaste, Costa Rica, lebt, kann man mal eben spontan mit dem Linienbus in den Traumurlaub fahren.

Wie immer begann auch diese Reise ganz spontan: beim Kochen am Freitagmittag meinte meine Gastschwester plötzlich: "Pack deine Badesachen ein, wir fahren in den Urlaub!" Nur eine Stunde später bezahlten wir dann unsere 650 Colon(etwa 1 Euro) für den Bus und machten uns mit den Rucksäcken auf nach Sámara. Auf der Fahrt wurde ich dann mit ein paar Details versorgt: am Strand befand schon die ganze weitere Familie, und obwohl es eigentlich nicht geplant war, dass Markela und ich auch kommen, "wäre das wohl kein Problem". In Sámara wartete schon ein Onkel mit dem Auto auf uns und wir fuhren vorbei an den Touristenhotels und bogen um mehrere Ecken bis wir schliesslich in einer einsamen Bucht ankamen, in der nur eine einzelne "cabina" stand. Diese Cabina könnte man wohl im weiteren Sinne als Ferienwohnung bezeichnen, obwohl sie wohl nicht ganz den deutschen Standartansprüchen genügt: Es handelte sich um eine unmöbelierte Holzhütte mit Open-Air-Dusche und jeder Menge "Haustieren", 5 Meter vom Wasser entfernt. Hinter der Hütte befand sich ein kleiner Mangrovensumpf, der nach Einbruch der Dunkelheit für das besonders bei den Kindern beliebte Spiel "Ist-es-ein-Krokodil-oder-ein-Ast" sorgte. Was mich aber viel mehr beunruhigte war die Grösse der Cabina, und ich begann im Kopf noch einmal schnell zu überschlagen, wer alles da sein müsste: Tio Jose mit Frau und 4 Kindern, Tio Wilmer mit Frau und 4 Kindern, Tio Carlos mit 2 Kindern, Tia Flor mit Mann und Kind, plus die Grosseltern, Markela und mich. Aber da wir ja hier in Costa Rica sind, war das kein Problem: Markela und Ich wurden zum schlafen kurzerhand auf den Balkon ausquartiert und die restlichen Leute quetschten sich eben immer zu zweit auf eine der mitgebrachten Martratzen. Zu mehr als zum Schlafen wurde die cabina sowieso nicht genutzt, immerhin hatten wir den Traumstrand vor der Tür! So verbrachte wir den ganzen Tag draussen, schwammen im Meer, planschten mit unseren Cousins in der Brandung, spielten Domino oder "Ron" (eine costaricanische Abwandlug von Rommee) und beobachteten die Touristen. Diese rümpften meist abfällig die Nase, wenn sie unsere bescheidene Hütte sahen, was mich über meine Ferien nachdenken lies: Wir hatten zwar kein Zimmer, dafür aber den absoluten Meerblick; kein 5-Sterne-Restaurant, dafür aber den Spass einer 20-Personen-Feldküche;keinen Swimmingpool, dafür aber den Ozean vor der Tü; keine Animation, dafür aber Seilspringwettbewerbe am Strand; kein All-inclusive, dafür aber meine Abuela, die wie warscheinlich alle Omas der Welt stets darum besorgt ist, dass wir verhungern könnten und uns so den ganzen Tag mit Kuchen, Keksen, Galletas con atún (Cracker mit Thunfisch) und Würstchen versorgte. Natürlich fehlte ein bisschen der "Luxus", den die Touristen hier suchen, wenn sie in den Urlaub fahren. Dafür hatten wir aber jede Mange Spass. Und so sollte Ferien doch eigentlich sein, oder?

1 Kommentar 9.7.07 17:29, kommentieren

Vamos a la Playa!

Wenn eine Deutsche an den Strand fährt, braucht sie ein Handtuch, Badesachen und Sonnecreme. Aber wir sind hier in Costa rica. Das wär viel zu einfach. Wenn meine Gastfamilie an den Strand fährt, braucht sie:

8 Handtücher, 3 mal trockene Sachen zum wechseln, 4 Klappstühle, einen Campingtisch, einen kanister mit Wasser, 4 Flaschen Trinkwasser, 3 Kameras, 2 Sonnenschirme, 4 Arten von Sonnencreme, Creme für nach dem Baden, Plastikbecher, Plastickbesteck, Plastikteller und Essen. Jede Menge Essen.

Ein Deutscher nimmt ein bisschen Wasse mit an den Strand, Butterbrote und vielleicht ein paar Kekse. Aber wir sind hier in Costa Rica.

Fanta, Wasser, Cola, Kaffee, Sandwiches, Kekse, Thunfisch, Frischkäse, Reis mit Hühnchen, Joghurt, Bonbons, Bohnen, Melone, Ananas und andere Kekse.

Wenn man das alles in Auto verstaut hat, kann es losgehen, zum Strand von Carillo. Mit dem Auto fährt man ungefähr 30 Minuten, aber nur, weil die Strassen so schlecht sind. Dort sucht man dann die schönste Kokospalme aus, um den ganzen Kram auszupacken und festzustellen, "dass man ja doch ziemlich wenig mitgenommen hätte". Dann cremt man sich gut ein und stürzt sich in die badewannenwarmen, glasklaren Fluten. Ein Tico kann sich 3 Stunden baden, ohne sich einen Sonnenbrand zu holen. Eine Deutsche nicht. Das weiss ich jetzt. Abends, wenn alle Handtücher dreckig sind und auf wundersame Weise das ganze Essen verschwunden ist, packt man die übrigen Sachen ins Auto, und fährt wieder nach Hause. Und nimmt sich vor, dass nächste mal ein bissche mehr mitzunehmen.

In den Ferien fährt meine Gastfamilie immer eine Woche an den Strand. Ich weiss nicht, wie sie das machen. Vielleicht mieten sie einen Umzugswagen.

1 Kommentar 31.5.07 22:15, kommentieren