Mein Leben

Trockenzeit - Regenzeit.

Wenn man ein Jahr in Costa Rica lebt, bemerkt man, was das europäische Klima mit 4 Jahreszeiten doch manchmal für sich hat. In Costa Rica teilt sich das Jahr in nur 2 Epochen auf : von Juni bis Oktober "Winter" und von November bis Mai "Sommer". Diese Namen könnten etwas verwirrend wirken - erstmal sind sie umkehrt zum deutschen Klima und mit einem "Winter" würde man hier ja auch nicht rechnen. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man eigentlich die Namen "Regenzeit" und "Trockenzeit" verwenden sollte.

Hier, in Guanacaste (der wohl heissesten Provinz Costaricas) fällt das Thermometer eigentlcih selten unter 25 Grad und erreicht schon mal Spitzenwerte von 37 Grad Celcius. In der Trockenzeit ("Sommer" ist das aber kein so grosses Problem - man muss ich einfach im Schatten aufhalten. Wenn ab Juli aber der Regen beginnt, wird das ganze für Nicht-Ticos ein bisschen unangenehm - die Luftfeuchtigkeit steigt auf 80 Prozent oder mehr und verwandelt das gesamte Land in eine Waschküche. Es regent jeden Tag : anfangs nur abends einmal, ab August täglich mehrmals ab 4 pm und im September muss man mit "Temporales" rechnen: 10 Tage Regen am Stück ohne eine Sekunde Pause. Das führt zu dem ständigen Verlangen, sich abzutrocknen, weil man sich immer irgendwie nass oder klamm fühlt, die Wäsche wird nicht mehr trocken und die Haare der meisten Menschen verwandeln sich in wild wucherndes Chaos. Die Ticos scheint das Ganze aber nicht gross zu stören - wenn sie aus dem Huas gehen, wissen sie, dass sie nass werden und nehmen gleich den Regenschirm mit. Auch wenn sie den verloren oder vergessen haben, lassen sie sich davon nicht den Tag verderben: irgendwo wohnt immer "der Freund vom Cousin von einer Mitschülerin", bei dem man einen Regenschirm leihen kann. Und selbst wenn das mal nicht der Fall sein sollte : da wird einfach das Handy in eine der kleinen Plastiktüten gesteckt, die die Ticos für diesen Zweck immer dabei haben und gesagt: "Von ein bisschen Regen ist noch keiner gestorben".

Von "ein bisschen Regen" zu sprechen ist allerdings eine masslose Untertreibung - wenn es hier regnet, dann richtig. Innerhalb von 5 Minuten steht das Wasser knöcheltief auf den Strassen und wenn man in einem der Häuser mit Wellblechdach lebt, versteht man vom Lärm der Tropfen auf dem Metall sein eigenes Wort nicht.

So nasas der Winter sein mag, desto trocken aber auch der Sommer. Von November bis Mai fällt kein einziger Tropfen Regen in dieser Zone, was manchmal sogar für Probleme mit der Stromversorgung führt (wenn die Wasserkraftwerke austrocknen). Trotz eines halben Jahres strahlenden Sonnenscheins und Sommerhitze das ganze Jahr fehlt mir aber doch ein bisschen das, was ich gewohnt bin: die ersten Schneeglöckchen, die fallenden Blätter im Herbst, der erste Tag, an dem na ein T-Shirt anziehen kann, wie es jeden Tag ein bisschen früher hell und ein bisschen später dunkel...

Naja, wir werden sehen, ob ich immernoch genauso denke, wenn ich im Januar die 36 Grad hier verlass und mit den arktischen Temperaturen in Deutschland kämpfen muss.

1 Kommentar 20.8.07 18:53, kommentieren

"Explotación" Comunal - Das Baumprojekt.

In Costa Rica gibt es ein vom Gesetz vorgeschriebenes Projekt für die Schüler der 10. Klassen, ohne das niemand das "Bachilerato", dem Abitur vergleichbar, bekommen kann. Früher ging es bei dieser Arbeit, genannt "Trabajo Comunal" ( etwa: Arbeit für die Gesellschaft) darum, den Menschen in der Stadt zu helfen, etwas Gutes zu tun und die eigene soziale Position wertschätzen zu lernen. Die Schüler sollten in 30 Stunden etwas, was sie selber können, anderen beibringen; für die Stärkung der costaricanischen Kultur im Land arbeiten oder in Institutionen wie Altersheimen oder Kindergärten helfen. In den letzten Jahren ist dieser Sinn allerdings ein wenig verloren gegangen und das Projekt hat unter den Schülern einen neuen Namen bekommen: "Explotación Comunal" ( Ausbeutung für die Gesellschaft).

Da ich in diesem Jahr ganz normale Schülerin in Costa Rica bin, muss auch ich an diesem Projekt teilnehmen. Zuerst war ich voll und ganz damit einverstanden, denn mit 4 Freundinnen hatten wir mehrere nette Ideen. Doch dann fingen die Probleme an: unser erster Plan, im Krankenhaus zu helfen, wurde von der Schulleitung abgelehnt, weil wir etwas erarbeiten sollten, was mit der costaricanischen Kultur zu tun hat. Aber auch der 2. Vorschlag, ein kleines Museum über die Geschichte und Sitten Nicoyas in der Schule zu errichten, wurde nicht akzeptiert. Diesmal war die Begründung, wir sollten etwas innerhalb der Schule erarbeiten. Um sie Elemente "anderen etwas zeigen", "Schule" und "Kultur" zu verbinden, reichten wir als 3. Projektausarbeitung eine AG "Typische Costaricanische Tänze" für die Grundschüler ein. Diesmal waren wir uns ziemlich sicher, dass unsere Arbeit allen gestellten Anforderungen gerecht würde, doch auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt, ohne erkennbaren Grund. Schliesslich wiesen uns ein paar Elftklässler, die sich vor einem Jahr in der gleichen Situation wie wir befanden, darauf hin, dass der Sinn der "Trabajo comunal" von den meisten Schulen dahin verändert wurde, dass man nicht der Gesellschaft, sondern der Schule etwas Gutes tun soll. Also erarbeiteten wir einen 4. und letzten Vorschlag: Die Grünzonen der Schule verschönern. Dieses Projekt wurde sofort unter Freude angenommen und wir wurden für die gute Idee beglückwünscht. Uns allen bleibt zwar bis heute unverständlich, auf welche Weise ein paar Bäume auf dem Schulhof der Gesellschaft helfen, aber so verzweifelt wie wir waren, blieb uns keine andere Wahl. Als wir allerdings am ersten Ferientag die Zone, die uns zugewiesen wurde, genau betrachteten, verstanden wir den Namen "Explotación Comunal": Das, was Peter Lustig seinen "Unkrautgarten" nennt, ist ein perfekter englisches Golfrasen gegen die Wildnis, die wir in ordentlich bepflanzte Zonen verwandeln sollten. Erschwerend kam noch hinzu, dass wir eine reine Mädchengruppe waren und mit höchst spartanischer Ausrüstung arbeiten mussten: 2 Rechen, 2 Kinderschaufeln, eine Machete und eine "Macana" (ein langer Eisenstab zum Löcherausheben). Die erste Hälfte unserer 30 Stunden kämpften wir eigentlich nur gegen den Ort, den man augenscheinlich 20 Jahre als Müllkippe der Schule missbraucht hatte, und den wir "el infinito" (die Unendlichkeit) tauften. Nach 15 Stunden Arbeit (natürlich auf mehrere Tage verteilt) schafften wir es endlich, die darunter verborgene Erde zum Vorschein zu bringen - der Rest der 300 Meter, die uns noch fehlten, erschien dagegen wie ein Sommerpicknick. Als wir auch diese von Steinen, Dreck und Unkraut befreit hatten (wobei noch das Wetter erschwerend hinzukam: die Arbeit in der pralle Sonne sorgte für den 2. "Sonnenbrand meines Lebens", begannen wir, Löcher zu graben und kleine Heckensätzlinge einzupflanzen. Weitere 5 Stunden, viele Blasen an den Händen uns Ameisenbisse später setzten wir endlich das letze Pflänzchen und alles was noch zu tun blieb, war das Verbrennen der Abfälle. Einige Mitgleider der Gruppe hatten grosse Lust, das lustig flackerende Feuer auf die Schule zu lenken, die uns so schamlos ausgebeutet hatte, um keinen Gärtner bezahlen zu müssen. Letzendlich überlegten wir uns dann aber, dass uns das warscheinlich nicht wie erhofft eine Statue mit unseren Namen auf dem Schulhof einbringen würde; die Bekämpfung der "Unendlichkeit" aber vielleicht doch. Denn die Schulleiterinnen waren hellauf begeistert, dass wir es tatsächlich geschafft hatten, den Zaunbereich, der seit mehr als 5 Jahren nicht mal mehr einen Rasenmäher gesehen hatte, in eine halbe Parkanlage zu verwandeln. Wirklich gelohnt hat sich die Arbeit für uns allerdings nicht: Bis die Planzen gewachsen sind, wird wohl keiner von uns mehr diese Schule besuchen. Aber eine andere Gruppe von Schülern kann in 3 Jahren ihre "Ausbeutung" damit verbringen, unsere Bäumchen zu hegen uns zu pflegen. Die Gesellschaft muss wohl warten.

14.7.07 00:28, kommentieren

Meine Schule

In Nicoya gibt es 3 Schulen: das Liceo de Nicoya, eine ganz normale öffentliche Schule, das Euipcuario, eine technische Schule und das Centrum Educativum Catolico San Ambrosio, eine katholische Privatschule, die ich besuche.

Als Austauschshüler nach San Ambrosio zu gehen, hat jede Menge Vorteile: Die Schule ist winzig klein, es gibt in jedem Jahrgang nur eine Klasse, das heisst, wir sind von der 1 bis zur 11 zusammen nur etwas mehr als 200 Schüler. Dementsprechend ist auch das Schulgelände sehr klein und so lernt man innerhalb von wenigen Tage alle Schüler kennen. Jeder in San Ambrosio weiss, wer ich bin, die Deutsche, die "Macha", die Austauschschülerin, und so versucht mir auch jeder zu helfen, so gut es geht. Denn obwohl wir nicht viele Räume haben, hab ich mich am Anfang doch manchmal ein bisschen verlaufen und ich war überrascht, dass jedes mal, wenn ich verloren herumstand jemand rief: "Francisca, was suchst du, wo sollst du hingehen?" Meistens kannte ich die betreffende Person gar nicht und war doch sehr verwundert, dass sie meinen Namen wusste. Doch daran hab ich mich inzwischen gewöhnt, genauso wie an die Tatsache, dass Erstklässler mich Mittags zum Auto ihrer Eltern mitnehmen und mich stolz als "ihre Freundin Francisca" vorstellen, obwohl ich sie vorher noch nie gesehen hab.

Im Vergeich zu den andern Schulen ist der Unterricht in San Ambrosio relativ streng: So müssen wir zum Beispiel jeden Tag die Schuluniform korrekt tragen und bei den Ohrringen wird wirklich geschaut, ob sie zu gross sind oder nicht. Ausserdem ist das Schulgelände mit Stacheldraht eingezäunt und wir können es somit während des Tages nur mit schriftliches Erlaubnis der 2 Schulleiterinnen (2 etwas zickigen Nonnen) verlassen. Deshalb essen wir jeden Tag in der Schule, in der Pause von 12.00 bis 12.40. Das Schulessen besteht jeden Tag aus Reis,Bohnen, gebratenen Kochbananen und buntem Salat und dazu gibt es Fleisch, Fisch oder Hühnchen und wechselnd Kartoffelpüree, Pommes, Nudel- oder Kartoffelsalat oder Spagetti. Die Portion Mittagessen mit einem Getränk kostet 600 Colon, etwa einen Euro, und ist meist so viel, dass die auf dem Schulgelände streunenden Hunde locker mit satt werden. Nach dem Mittagessen werden schnell die Zähne an einem der unzähligen Open-Air-Waschbecken geputzt und dann geht es mit dem Nachmittagsunterricht weiter, der auf Grund der unerträglichen Hitze allerdings oft draussen im Schatten der Kokospalmen abgehalten wird. 10 Minuten vor der eigentlichen Ender der letzten Lektion packen wir unsere Sachen zusammen, ordenen die Stühle und fegen die Klasse durch und dann machen wir uns auf zum Tor um uns einen guten Platz im Bus zu sichern. Dieser Bus ist allerdings kein normaler Linienbus, sondern ein alter, klappriger VW-Bus der Schule, der alle Schüler bis direkt vor die Haustür bringt. Das ist zwar praktisch, dauert aber leider auch ewig, sodass ich meist erst um 15.30Uhr zu hause ankomme. Zum Glück gibt es aber in Costa Rica kaum die Sitte der "Hausaufgaben", weshalb ich, einmal zu hause angekommen, wirklich frei für den Tag habe.

Obwohl San Ambrosio eine Privatschule ist, heisst das keinesfalls, dass sie besser ausgerüstet ist als die staatlichen. Wir haben weder Biologie- noch Chemieräume (von Laboren ganz zu schweigen); das Sekreteriat ist ein dunkles Abstellräumchen ohne Fenster; die Buchhaltung wird von Hand gemacht und das, was sich hier Computerraum nennt, würde in Deutschland mit viel Glück als Elektroschrott durchgehen. Das ist aber nicht wichtig, denn wenn man wirklich lernen will, braucht man nur ein Buch, einen Stift, Papier und einen Lehrer, der einem etwas beibringen möchte. Der agnze erktronische Schnickschack mit dem man in Deutschland den Unterricht anschaulicher, interessanter oder moderner machen will, ist eigentlich vollkommen überflüssig.  

1 Kommentar 30.6.07 17:59, kommentieren

Mit ausgeblasenen Eiern gegen Teenieschwangerschaften.

Wie alle Lateinamerikanischen Länder hat auch Costa Rica seit einiger Jahren verstärkt mit dem Phänomän der Teenieschwangerschaften zu kämpfen. Aus diesem Grund wurde für die 10. Klassen ein Religionsprojekt zum Thema “Verantwortung und Pflege” ins Leben gerufen: das Eierprojekt.

 

Das besteht darin, dass jede Schülerin ein Hühnerei ausblasen und es 3Wochen lang hüten muss, als wäre es ein Baby. Die Jungs wurden mit einer Mitschülerin “verheiratet” und teilen die gleiche Pflicht.
Als wir davon hörten, waren wir zuerst total begeistert und am Nachmittag stürmten Horden von Mädhcen in die Kurzwarenläden der Stadt, um Stoff, Haare, Knöpfe und bänder zu kaufen. Denn natürlich wollte jedet die schönste Wiege basteln, die hübschesten Kleidchen nähen und das süsste Baby haben.
Am nächsten Tag spazierten wir also voller Stolz mit unsren Körbchen und Wiegen in die Schule, präsentierten  unsere ¨Babys” und liessen sie vom Lehrer unterschreiben.
Doch die anfängliche Begeisterung flaute schnell ab, als wir bemerkten, welche Verantwortung man schon allein für “nur” ein Ei hat: Jemand muss darauf aufpassen, wenn man in der Pause nur mal kurz ins Bad will; es muss behütet werden, wenn man sich sein Mittagessen holt; man muss es vor grapschenden Erstklässlerhändchen beschützen, die es anfassen wollen und am wichtigsten: man darf es morgens nicht zuhause vergessen, denn wie ein echtes Kind muss man es überall mit hin nehmen.
Wie auch so oft im ehcten Leben waren die “Väter” keine besonders grosse Hilfe, “denn das ware Frauensache”.
Trotz grösster Vorsicht zerbrach so manches Ei und viele Mütter erlitten “Kindbettsdepressionen” und wollten “das Ding einfach nur loswerden”. Nicht selten hörte man in den 3 Wochen auch: “Wenn ich das so sehe, warte ich mit dem echten Baby lieber noch!”
So ist das Projekt wohl bei allen geglückt, denn selbst, wenn das Ei zerbrochen ist (und die Muter damit in diesem Trimester in Religion durchfällt) wissen wir jetzt alle: Teeniemutter sein ist kein Waldspaziergang!
Für eine meiner Mitschülerinnen kommt diese Einsicht allerdings zu spat: im Dezember bekommt sie ihr Baby, und das ist kein Projekt von 3 Wochen, sondern eine Lebensaufgabe. Aber sie sagt, auch für sie habe sich die Sache gelohnt, denn jetzt habe sie 24 Namensvorschläge für ihr Kleines gesammelt.

30.6.07 16:40, kommentieren

Sicherheit

Costa Rica zählt zu den sichersten Ländern Lateinamerikas, und Nicoya zu einer der sichereren Städte. Trotzdem musste ich mich hier erstmal an einige neue Vorsichtsmassnahmen gewöhnen, die meine Freiheit doch ziemlich einschränken.

Ich lebe im Barrio (Stadtteil) Los Angeles, in dem ich mich ohne Probleme bei Tageslicht alleine draussen bewegen kann. Auch ins Zentrum kann ich alleine laufen, denn dies sind "Barrios Organizados", das heisst, es gibt eine Polizeistreife, die für Ordnung sorgt. In manchen Barrios sieht das aber ganz anders aus, in Nicoya vor allem in San Martin. Man könnte jetzt denken: kein Problem, hält man sich einfach von diesen Ecken fern. Aber meine Schule liegt in San Martin. Und dort ist es so gefährlich, dass man selbst bei hellstem Tageslicht nicht alleine auf die Strasse gehen sollte. Oder besser gesagt: ich nicht. Denn viele Ticos leben nach wie vor mit dem Vorurteil, alle blonden Mädchen hätten Geld und wären "sexuell sehr freizügig". So stellen sich momentan die Donnerstage als kleines Problem heraus, denn meine Schwester hat nach der Schule noch "banda" (so eine Art Band, ich glaube auf deutsch nennt man das "spielmannszug"und ich muss alleine nach Hause laufen. Aber das geht nicht, weil ich durch ganz San Martin muss. So ist das Los auf meinen Mitschüler Diego gefallen, mich ab sofort Donnerstags nach Hause zu begleiten, oder jedenfalls bis zur Hauptstrasse. Obwohl ich also mit einem 16jährigen Jungen unterwegs bin, machen wir immer noch einen riesigen Umweg, denn auf dem direkten Weg müssen wir an der "Plaza de los Mangos" vorbei, auf der mittags immer die Betrunkenen rumsitzen und mir jedesmal wenn ich da lang gehe "Macha" (blondes Mädchen), "llámame" (ruf mich an) "por qué no me llamastes ayer" (warum hast du mich gestern nicht angerufen) und andere Dinge hinterherrufen. ich versuche, sie einfach zu ignorieren, sie nicht anzusehen und stur geradeaus zu gehen, aber das macht sie meistens wütend. Deahalb vermeide ich jetzt, dort entlagzugehen.

Aber auch in anderen Stadtvierteln ist es nach Einbruch der Dunkelheit hier auf jeden Fall besser, in (männlicher) Begleitung unterwegs zu sein. Zum Glück ist es hier für die Jungs aber selbstverständlich, die Mädchen  abends bis zur Haustür zu bringen, selbst wenn man 20 Minuten laufen muss. So finden Markela und ich meist immer jemanden, der uns begleitet. Für mich ist es aber immernoch ungewohnt, so von anderen Leuten abhängig zu sein. Wenn ich nämlich weiss, dass mich später niemand bringen kann,  muss ich vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein, also gegen 18.30 Uhr. Da ist Deutschland doch etwas sicherer.

1 Kommentar 8.6.07 00:10, kommentieren

Mi familia (meine Gastfamilie)

Am 13.02.02 lernte ich dann also meine Gastfamile wirklich kennen. Zum Glück hatte sich in den 2 Wochen mit esteban mein Spanisch enorm verbessert, sodass ich mich dieses mal mit ihnen mehr oder weniger verständigen konnte. Im Auto wurden erstmal ein paar Basisfragen geklärt (wie der urlaub war, wie es mir geht, wer wie heisst...) und ich war eigentlich höchst zufrieden. Doch dann kam der Schock, als wir aus dem Auto stiegen. Das Haus ist winzig! Wenn man die Tür aufmacht, steht man sofort im Wohnzimmer, vo dort aus geht man in die Küche, die mehr wie ein Flur aussieht und nach draussen auf die Terasse führt. Ausserdem gibt es noch ein badezimmer von 4 Quadratmetern, das Zimmer meiner Gasteltern, dass meines Bruders und mein Zimmer, dass ich mir mit meiner Schwester teile. Besonders das war ein Schock: ein Hochbett und ein Regal. Sonst nichts. (das Zimmer hat ja auch nur 6 Quadratmeter) So kam es, dass ich die erste nacht in "meinem Bett" ziemlich tarurig einschlief und eigentlich viel lieber wieder nach Deutschland wollte.

Das hat sich aber innerhalb von 2 Tagen komplett geändert, dank meiner wirklich tollen Gastfamilie. Mein Gastvater heisst Jorge und glaub ich 52 Jahre alt. Er ist Tierarzt und hat eine Praxis im Zentrum von Nicoya, 5 Minuten mit dem Auto entfernt. Meine Gastmutter heisst Rosa Virginia, zieht es aber vor, Vicky genannt zu werden. Sie ist glab ich 48 Jahre alt und Richterin. (Mit dem Alter bin ich bei den 2 nicht ganz sicher, weil die Angaben von AFS nicht immer stimmen). Ausserdem hab ich noch einen Bruder, Jorge, der 19 ist und meine Schwester Sandra Markela, die aber nur Markela genannt werden will, 15 Jahre. Jorge studiert schon (Tourismus) und ist deshlab wenig zuhause, obwohl er nich hier wohnt. Markela geht mit mir in eine Klasse und sit auch sonst meine grosse Unterstützung in allem. Sie nimmt mich immer mit, wenn sie etwas mit Freunden unternimmt, hat mich in ihrer Tanzgruppe mit angemeldet und hat mir besonders die ersten Tage in der Schule sehr geholfen. Sie ist also nicht nur meine Schwester, sondern auch sowas wie meine beste Freundin. Mein Gastvater hat in Tschechien studiert und weiss deshalb sehr viel über das Leben in Europa - auch das hilft mir sehr. Er ist immer sehr bmüht, mir die costaricanische Kultur zu zeigen und zu erklären.

Ich fühle mich in meiner Famile schon fast vollkommen integriert, obwohl ich erst 3 Monate hier lebe. Ich glaube, ich werde wirklich so behandelt, wie die "richtigen" Kinder  der Famile, hab die gleichen Rechte (zb. unter der Woche bis 21.30 Uhr wegbleiben, am Wochenende nach Verhandlung) und die gleichen Pflichten (meine Sachen waschen und bügeln, fegen, wischen, beim Kochen helfen, Schildkröten füttern). Ausserdem ist meine Familie sehr "aufmerksam" - wenn sie sehen, dass mir etwas gut schmeckt oder gefällt, kann ich sicher sein, dass wir das bald wieder machen.

Alles in allem habe ich also die perfekte Familie erwischt - das einzige, was mir noch ein bisschen Probleme macht, sind die Anreden bei uns. In meiner Familie wird niemand mit dem Vornamen ansprochen, das heisst sowohl mein Bruder also auch meine Schwester und mein Gastvater rufen meine Gastmutter mit "Mamá" und dementsprechend meine Gastvater mit "papá". Wir Kinder  werden mit "Niño" (eigentlich: kleiner Junge) und "Niña" (kleines Mädchen) gerufen, was am Anfang für einige Verwirrung gesorgt hat, weil ich mich nie angesprochen gefühlt hab. Nach wie vor bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich meine Gasteltern nennen soll. Sie sagen, dass soll ich selbst entscheiden und erst "mamá y papá" sagen, wenn ich soweit bin. Ich denke also, das wird die Zeit entscheiden.

22.5.07 23:28, kommentieren

Ankunft in Costa Rica

Nach fast einem Jahr Vorbereitung war es dann am 02.02.07 endlich soweit: Es geht los!

Am Flughafen ging alles ganz schnell, und ehe ich es richtig bemerkt hatte, sass ich schon im Flieger nach Madrid. Zum Glück hatte ich einen Fensterplatz ergattert und so konnte ich noch einen letzten Blick auf Deutschland, meine "Heimat" werfen, bevor ich mich für ein Jahr von ihr verabschieden musste. In Madrid angekommen, bekamen ich du die andern 17 deutschen AFSler dann schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was es heisst, plötzlich auf sich allein gestellt zu sein. Ein Terminalwechsel in 2 Stunden in einem riesigen Flughafen war unsere erste Bewährungsprobe, die wir aber zum Glück mit einigen Panikattacken und viel Gerenne gemeistert haben. Als wir dann endlich im Flugzeug nach San José sassen, fingen wir erst so richtig an zu begreifen, auf was wir uns da eigentlich eingelassen haben, und so manch einer wünschte sich, er hätte sich ordentlich zu hause verabschiedet. Aber dafür war es jetzt zu spät und so versuchten wir, unsere Gedanken in den 14 Stunden Flug so positiv wie möglich nach vorne zu richten.

Im Flughafen wurden wir dann vom AFS-Personal in Empfang genommen und die Soregn und Ängste der letzten 14 Stunden waren wie weggeblasen: Wer einmal die untergehende Sonne über der Skyline von San José gesehen hat, versteht, warum. Wir hatten aber nicht viel Zeit, das Bild zu geniessen, denn mit für Latinos ungewohnter Hektik ging es auf ins Arrival-Camp. Dort verbrachten wir 2 Tage mit den Austauschschülern aus der ganzen Welt und wurden auf Themen wie Schule, Kultur, Essen oder Familie vorbereitet. Und das war auch das grösste Thema unter uns AFSlern: Die Gastfamilien. Wie sich herausstellte, waren meine Informationen extrem dürftig ausgefallen: ich hatte weder Fotos noch einen Brief noch eine detallierte Beschreibung erhalten. Das war allerdings mein geringstes Problem, denn ganz offensichtlcih war meine Gastfamilie im Urlaub und AFS hatte sich nicht um eine Übergangsfamilie gekümmert. Das ständige "Don`t worry, don`t worry, DON`T WORRY!!!!!!!!" der Betreuer haben bei mir eher das Gegenteil bewirkt, und als ich dann als einzige keinen Bogen mit genaueren Infos über die Familie bekommen habe, dachte ich schon, ich müsste unter irgendeiner Brücke schlafen. Glücklicherweise hat sich dann aber doch noch alles zum Guten gewendet und mir wurde gesagt, ich hätte auf jeden Fall einen Platz zum schlafen für die ersten 2 Wochen.

Etwas beruhigt ging es dann also vom Camp in Heredia auf nach Nicoya, meiner neuen Heimat für ein Jahr. Mit jeden Meter, denn wir das Gebirge runterfuhren, wurde es ein Gard wärmer, und während ich im Camp in der Nacht noch gefohren hatte, wurde mir im Bus klar, dass Guanacaste wirklich Costa Ricas heisseste Provinz ist. In Nicoya angekommen wurden ich und die 3 anderen Austauschschüler ganz nett vom Komite-Personal begrüsst und ich konnte meine Gastfamile sogar noch kurz treffen. Leider war ich so müde, dass ich fast kein Wort Spanisch herausbrachte und habe so glaub ich einen ziemlich komischen ersten Eindruck hinterlassen. Während meine Gastfamile sich in dieser nacht also auf den Weg in den Urlaub nach San Andrés, Kolumbien machte, verbrachte ich meine erste Nacht in Costa Rica im Haus eines AFS-Freiwilligen.

Wieder Erwarten stellte sich das als wahrer Segen heraus, denn dieser hatte 2005 als AFSler in Deutschland verbracht und war mir so eine grosse Hilfe im Dolmetschen und beim Erklären der doch recht anderen Kultur. So lebte ich also 2 Wochen im Haus von Esteban, und hatte in dieser zeit immer noch nicht so richtig realiziert, dass ich erst im nächsten jahr wieder "nach hause" fahren würde. Wie unternahmen viel zusammen, waren bei Konzerten und am Strand und irgendwie fühlte sich das ganze mehr nach Urlaub an. Aber am 13.02.07 klingelte dann das Telefon und mein Gastvater kundigte an, dass er mich in 2 Stunden abholen kommt. Also fing ich an meinen Koffer wieder zu packen und da wurde mir klar: Jetzt geht es richtig los. 

22.5.07 23:26, kommentieren