Trockenzeit - Regenzeit.

Wenn man ein Jahr in Costa Rica lebt, bemerkt man, was das europäische Klima mit 4 Jahreszeiten doch manchmal für sich hat. In Costa Rica teilt sich das Jahr in nur 2 Epochen auf : von Juni bis Oktober "Winter" und von November bis Mai "Sommer". Diese Namen könnten etwas verwirrend wirken - erstmal sind sie umkehrt zum deutschen Klima und mit einem "Winter" würde man hier ja auch nicht rechnen. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man eigentlich die Namen "Regenzeit" und "Trockenzeit" verwenden sollte.

Hier, in Guanacaste (der wohl heissesten Provinz Costaricas) fällt das Thermometer eigentlcih selten unter 25 Grad und erreicht schon mal Spitzenwerte von 37 Grad Celcius. In der Trockenzeit ("Sommer" ist das aber kein so grosses Problem - man muss ich einfach im Schatten aufhalten. Wenn ab Juli aber der Regen beginnt, wird das ganze für Nicht-Ticos ein bisschen unangenehm - die Luftfeuchtigkeit steigt auf 80 Prozent oder mehr und verwandelt das gesamte Land in eine Waschküche. Es regent jeden Tag : anfangs nur abends einmal, ab August täglich mehrmals ab 4 pm und im September muss man mit "Temporales" rechnen: 10 Tage Regen am Stück ohne eine Sekunde Pause. Das führt zu dem ständigen Verlangen, sich abzutrocknen, weil man sich immer irgendwie nass oder klamm fühlt, die Wäsche wird nicht mehr trocken und die Haare der meisten Menschen verwandeln sich in wild wucherndes Chaos. Die Ticos scheint das Ganze aber nicht gross zu stören - wenn sie aus dem Huas gehen, wissen sie, dass sie nass werden und nehmen gleich den Regenschirm mit. Auch wenn sie den verloren oder vergessen haben, lassen sie sich davon nicht den Tag verderben: irgendwo wohnt immer "der Freund vom Cousin von einer Mitschülerin", bei dem man einen Regenschirm leihen kann. Und selbst wenn das mal nicht der Fall sein sollte : da wird einfach das Handy in eine der kleinen Plastiktüten gesteckt, die die Ticos für diesen Zweck immer dabei haben und gesagt: "Von ein bisschen Regen ist noch keiner gestorben".

Von "ein bisschen Regen" zu sprechen ist allerdings eine masslose Untertreibung - wenn es hier regnet, dann richtig. Innerhalb von 5 Minuten steht das Wasser knöcheltief auf den Strassen und wenn man in einem der Häuser mit Wellblechdach lebt, versteht man vom Lärm der Tropfen auf dem Metall sein eigenes Wort nicht.

So nasas der Winter sein mag, desto trocken aber auch der Sommer. Von November bis Mai fällt kein einziger Tropfen Regen in dieser Zone, was manchmal sogar für Probleme mit der Stromversorgung führt (wenn die Wasserkraftwerke austrocknen). Trotz eines halben Jahres strahlenden Sonnenscheins und Sommerhitze das ganze Jahr fehlt mir aber doch ein bisschen das, was ich gewohnt bin: die ersten Schneeglöckchen, die fallenden Blätter im Herbst, der erste Tag, an dem na ein T-Shirt anziehen kann, wie es jeden Tag ein bisschen früher hell und ein bisschen später dunkel...

Naja, wir werden sehen, ob ich immernoch genauso denke, wenn ich im Januar die 36 Grad hier verlass und mit den arktischen Temperaturen in Deutschland kämpfen muss.

20.8.07 18:53

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Diptspist / Website (4.10.07 20:14)
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