Meine Schule

In Nicoya gibt es 3 Schulen: das Liceo de Nicoya, eine ganz normale öffentliche Schule, das Euipcuario, eine technische Schule und das Centrum Educativum Catolico San Ambrosio, eine katholische Privatschule, die ich besuche.

Als Austauschshüler nach San Ambrosio zu gehen, hat jede Menge Vorteile: Die Schule ist winzig klein, es gibt in jedem Jahrgang nur eine Klasse, das heisst, wir sind von der 1 bis zur 11 zusammen nur etwas mehr als 200 Schüler. Dementsprechend ist auch das Schulgelände sehr klein und so lernt man innerhalb von wenigen Tage alle Schüler kennen. Jeder in San Ambrosio weiss, wer ich bin, die Deutsche, die "Macha", die Austauschschülerin, und so versucht mir auch jeder zu helfen, so gut es geht. Denn obwohl wir nicht viele Räume haben, hab ich mich am Anfang doch manchmal ein bisschen verlaufen und ich war überrascht, dass jedes mal, wenn ich verloren herumstand jemand rief: "Francisca, was suchst du, wo sollst du hingehen?" Meistens kannte ich die betreffende Person gar nicht und war doch sehr verwundert, dass sie meinen Namen wusste. Doch daran hab ich mich inzwischen gewöhnt, genauso wie an die Tatsache, dass Erstklässler mich Mittags zum Auto ihrer Eltern mitnehmen und mich stolz als "ihre Freundin Francisca" vorstellen, obwohl ich sie vorher noch nie gesehen hab.

Im Vergeich zu den andern Schulen ist der Unterricht in San Ambrosio relativ streng: So müssen wir zum Beispiel jeden Tag die Schuluniform korrekt tragen und bei den Ohrringen wird wirklich geschaut, ob sie zu gross sind oder nicht. Ausserdem ist das Schulgelände mit Stacheldraht eingezäunt und wir können es somit während des Tages nur mit schriftliches Erlaubnis der 2 Schulleiterinnen (2 etwas zickigen Nonnen) verlassen. Deshalb essen wir jeden Tag in der Schule, in der Pause von 12.00 bis 12.40. Das Schulessen besteht jeden Tag aus Reis,Bohnen, gebratenen Kochbananen und buntem Salat und dazu gibt es Fleisch, Fisch oder Hühnchen und wechselnd Kartoffelpüree, Pommes, Nudel- oder Kartoffelsalat oder Spagetti. Die Portion Mittagessen mit einem Getränk kostet 600 Colon, etwa einen Euro, und ist meist so viel, dass die auf dem Schulgelände streunenden Hunde locker mit satt werden. Nach dem Mittagessen werden schnell die Zähne an einem der unzähligen Open-Air-Waschbecken geputzt und dann geht es mit dem Nachmittagsunterricht weiter, der auf Grund der unerträglichen Hitze allerdings oft draussen im Schatten der Kokospalmen abgehalten wird. 10 Minuten vor der eigentlichen Ender der letzten Lektion packen wir unsere Sachen zusammen, ordenen die Stühle und fegen die Klasse durch und dann machen wir uns auf zum Tor um uns einen guten Platz im Bus zu sichern. Dieser Bus ist allerdings kein normaler Linienbus, sondern ein alter, klappriger VW-Bus der Schule, der alle Schüler bis direkt vor die Haustür bringt. Das ist zwar praktisch, dauert aber leider auch ewig, sodass ich meist erst um 15.30Uhr zu hause ankomme. Zum Glück gibt es aber in Costa Rica kaum die Sitte der "Hausaufgaben", weshalb ich, einmal zu hause angekommen, wirklich frei für den Tag habe.

Obwohl San Ambrosio eine Privatschule ist, heisst das keinesfalls, dass sie besser ausgerüstet ist als die staatlichen. Wir haben weder Biologie- noch Chemieräume (von Laboren ganz zu schweigen); das Sekreteriat ist ein dunkles Abstellräumchen ohne Fenster; die Buchhaltung wird von Hand gemacht und das, was sich hier Computerraum nennt, würde in Deutschland mit viel Glück als Elektroschrott durchgehen. Das ist aber nicht wichtig, denn wenn man wirklich lernen will, braucht man nur ein Buch, einen Stift, Papier und einen Lehrer, der einem etwas beibringen möchte. Der agnze erktronische Schnickschack mit dem man in Deutschland den Unterricht anschaulicher, interessanter oder moderner machen will, ist eigentlich vollkommen überflüssig.  

30.6.07 17:59

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