Mit ausgeblasenen Eiern gegen Teenieschwangerschaften.

Wie alle Lateinamerikanischen Länder hat auch Costa Rica seit einiger Jahren verstärkt mit dem Phänomän der Teenieschwangerschaften zu kämpfen. Aus diesem Grund wurde für die 10. Klassen ein Religionsprojekt zum Thema “Verantwortung und Pflege” ins Leben gerufen: das Eierprojekt.

 

Das besteht darin, dass jede Schülerin ein Hühnerei ausblasen und es 3Wochen lang hüten muss, als wäre es ein Baby. Die Jungs wurden mit einer Mitschülerin “verheiratet” und teilen die gleiche Pflicht.
Als wir davon hörten, waren wir zuerst total begeistert und am Nachmittag stürmten Horden von Mädhcen in die Kurzwarenläden der Stadt, um Stoff, Haare, Knöpfe und bänder zu kaufen. Denn natürlich wollte jedet die schönste Wiege basteln, die hübschesten Kleidchen nähen und das süsste Baby haben.
Am nächsten Tag spazierten wir also voller Stolz mit unsren Körbchen und Wiegen in die Schule, präsentierten  unsere ¨Babys” und liessen sie vom Lehrer unterschreiben.
Doch die anfängliche Begeisterung flaute schnell ab, als wir bemerkten, welche Verantwortung man schon allein für “nur” ein Ei hat: Jemand muss darauf aufpassen, wenn man in der Pause nur mal kurz ins Bad will; es muss behütet werden, wenn man sich sein Mittagessen holt; man muss es vor grapschenden Erstklässlerhändchen beschützen, die es anfassen wollen und am wichtigsten: man darf es morgens nicht zuhause vergessen, denn wie ein echtes Kind muss man es überall mit hin nehmen.
Wie auch so oft im ehcten Leben waren die “Väter” keine besonders grosse Hilfe, “denn das ware Frauensache”.
Trotz grösster Vorsicht zerbrach so manches Ei und viele Mütter erlitten “Kindbettsdepressionen” und wollten “das Ding einfach nur loswerden”. Nicht selten hörte man in den 3 Wochen auch: “Wenn ich das so sehe, warte ich mit dem echten Baby lieber noch!”
So ist das Projekt wohl bei allen geglückt, denn selbst, wenn das Ei zerbrochen ist (und die Muter damit in diesem Trimester in Religion durchfällt) wissen wir jetzt alle: Teeniemutter sein ist kein Waldspaziergang!
Für eine meiner Mitschülerinnen kommt diese Einsicht allerdings zu spat: im Dezember bekommt sie ihr Baby, und das ist kein Projekt von 3 Wochen, sondern eine Lebensaufgabe. Aber sie sagt, auch für sie habe sich die Sache gelohnt, denn jetzt habe sie 24 Namensvorschläge für ihr Kleines gesammelt.

30.6.07 16:40

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen