Die Schule

Wie eigentlich alles ist die Schule hier in Costa Rica nicht mit der deutschen zu vergleichen. Man könnte sagen, dass sie sehr viel "einfacher" ist - auf allen Ebenen.

Zuerst einmal gibt es kein kompliziertes System von verschiedenen Schultypen, dass acuh noch in jedem Bundesland variiert, sondern eine einheitliche Formel für ganz Costa Rica: zuerst 6 Jahre "Primaria" oder "Escuela", was wohl etwa der Grundschule entspricht und danach 5 Jahre "Secundaria" oder "Colegio". Insgesamt macht das also 11 Jahre Schulunterricht, die alle Schüler zusammen unterrichtet werden - es gibt keine Trennung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Das ist warscheinlich auch der Grund, warum es in Costa Rica als völlig unnormal angesehen wirds, nicht mindestens einmal in der Schullaufbahn sitzen zu bleiben.

So kann es also vorkommen, dass man in einer 8. Klasse, in der die Schüler normalerweise ungefähr 13 sind, einen 17jährigen zu finden. Wann man sitzen bleibt und wann nicht ist auch einfacher gelöst als in Deutschland: Die Noten hier werden in Prozent gerechnet. Die Endnote setzt sich zusammen aus den 3 Trimester-Noten, und die setzen sich zusammen aus den Examen, der "täglichen Arbeit", den Hausaufgaben, der "Trabajo Extraclase" und der Anwesenheit. Wenn man am Ende des Jahres weniger als 75% in einem Fach bekommt, muss man das Jahr wiederholen. So weit, so einfach.

Diese 75% mögten vielleicht ziemlich hoch erscheinen, aber das Niveu, dass ich hier in der 10. Klasse erlebe, entspricht in etwa dem einer 7. Klasse in Deutschland. Die Examen sind grösstenteils Ankreuztests und die "Trabajos Extraclase", so eine Art Referate, die aber nur abgegeben und nicht vorgetragen werden müssen, werden mehr nach Schönheit als nach Inhalt benotet. So ist es ganz normal, dass die ganze Klasse den gleichen Text einreicht, weil es der erste sit, der in "Google" erscheint, wenn man das Thema eingibt. Die Mädchen haben aber unglaublich Spass daran, die Zettel mit Herzen, Stickern, Glitzerpuder oder bunten Bildchen zu verzieren, was die Note irgendwie aufbessert. ( Die Jungs bestechen meistens ihr kleinen Schwestern mit Bonbons, ihre Arbeit auch so herzurichten.)

 Der Unterricht ist nicht so frontal, wie ich erwartet hatte: Meistens schriebt der Lehrer am Anfang der Stunde 10 Fragen an die Tafel und wir finden uns in Gruppen zusammen und schreiben die Antworten aus dem Buch ab. Daneben gibt es auch erstaunlich viel Gruppenpresentationen, das heisst, dass der Lehrer 5er-Gruppen einteilt und jede Gruppe ein anderes Thema vorstellen muss, mit einem Mittel ihrer Wahl (Tafelbild, Dialog, Dramatisazion, Schaubild...) Besondern in "Estudios Sociales" (Geschichte und Erdkunde) arbieten wir viel mit dieser Methode und so schafft man es, den kompletten ertsen Weltkrieg in einer Stunde durchzunehmen. Eine Gruppe behandelt die Ursachen, eine andere den Verlauf, eine dritte die Konsequenzen. Wirklich verstehen tun meine Klassenkemaraden aber nicht, was sie da hören und erzählen. Aber für die Examen reicht es ja auch, die Dinge auswendig zu lernen. So arbeiten wir eigentlich in allen fächern, die da wären:

Mathe, Spanisch, Estudios Sociales, Cívica ( ähnlich wie Politik), Biologie, Chemie, Physik, Kunst, Musik, Sport, Psychologie, Contabilidad ( Buchhaltung), Religion und Englisch. Das ist die einzige Ausnahme, denn dort haben wir ein tatsächliches Buch, mit dem man ganz normal Aufgaben bearbeiten könnte. Könnte. Wenn man es denn könnte. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund ist es für Ticos aber unheimlich schwer, Englisch zu lernen, und so erkläre ich ihnen trot 10 jahren Unterricht jeden Tag aufs Neue, dass man an das Verb in der 3. Person Singular ein "s" anhängen muss oder wie man "Guten Moren" auf Englisch sagt. Mein Lehrer spricht zwar ziemlich gut Englisch, aber ihm fehlt die Geduld, zu erklären, weshalb ich momnetan mehr oder weniger den Englischunterricht leite.

Im allgemeinen ider der Umgang mit den Lehrern hier ganz anders, ich würde sagen, total respektlos. Man spricht sie mit "Profe" oder mit dem Vornamen an, trifft sich auch am Wochenende mit ihnen und was der Lehrer sagt, ist hier mehr ein Vorschlag als ein wirklicher Auftrag. Wenn man also keine Lust auf Unterricht hat, verlässt man in der Stunde einfach mal das Klassenzimmer, setzt sich in eine Ecke zum Schlafen oder beginnt lautstark mit dem nachbarn "Stadt, Land, Fluss" zu spielen. Die Lherer hier sind allerdings daran gewöhnt und kümmern sich nicht weiter darum. Denn sie Schule läuft hier nach dem Motto: Wer lernen will, kann lernen. Wer es nicht will, der tut es halt nicht. Einfach, aber wirksam. Denn nach einer selbstständig erschaffenen Freistunde kommen meistens alle Schüler zurück in den Klassenraum. Denn sie wissen, wenn sie keine guten Noten haben, werden sie nie aus der Armut herauskommen.

14.6.07 22:20

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