Sicherheit

Costa Rica zählt zu den sichersten Ländern Lateinamerikas, und Nicoya zu einer der sichereren Städte. Trotzdem musste ich mich hier erstmal an einige neue Vorsichtsmassnahmen gewöhnen, die meine Freiheit doch ziemlich einschränken.

Ich lebe im Barrio (Stadtteil) Los Angeles, in dem ich mich ohne Probleme bei Tageslicht alleine draussen bewegen kann. Auch ins Zentrum kann ich alleine laufen, denn dies sind "Barrios Organizados", das heisst, es gibt eine Polizeistreife, die für Ordnung sorgt. In manchen Barrios sieht das aber ganz anders aus, in Nicoya vor allem in San Martin. Man könnte jetzt denken: kein Problem, hält man sich einfach von diesen Ecken fern. Aber meine Schule liegt in San Martin. Und dort ist es so gefährlich, dass man selbst bei hellstem Tageslicht nicht alleine auf die Strasse gehen sollte. Oder besser gesagt: ich nicht. Denn viele Ticos leben nach wie vor mit dem Vorurteil, alle blonden Mädchen hätten Geld und wären "sexuell sehr freizügig". So stellen sich momentan die Donnerstage als kleines Problem heraus, denn meine Schwester hat nach der Schule noch "banda" (so eine Art Band, ich glaube auf deutsch nennt man das "spielmannszug"und ich muss alleine nach Hause laufen. Aber das geht nicht, weil ich durch ganz San Martin muss. So ist das Los auf meinen Mitschüler Diego gefallen, mich ab sofort Donnerstags nach Hause zu begleiten, oder jedenfalls bis zur Hauptstrasse. Obwohl ich also mit einem 16jährigen Jungen unterwegs bin, machen wir immer noch einen riesigen Umweg, denn auf dem direkten Weg müssen wir an der "Plaza de los Mangos" vorbei, auf der mittags immer die Betrunkenen rumsitzen und mir jedesmal wenn ich da lang gehe "Macha" (blondes Mädchen), "llámame" (ruf mich an) "por qué no me llamastes ayer" (warum hast du mich gestern nicht angerufen) und andere Dinge hinterherrufen. ich versuche, sie einfach zu ignorieren, sie nicht anzusehen und stur geradeaus zu gehen, aber das macht sie meistens wütend. Deahalb vermeide ich jetzt, dort entlagzugehen.

Aber auch in anderen Stadtvierteln ist es nach Einbruch der Dunkelheit hier auf jeden Fall besser, in (männlicher) Begleitung unterwegs zu sein. Zum Glück ist es hier für die Jungs aber selbstverständlich, die Mädchen  abends bis zur Haustür zu bringen, selbst wenn man 20 Minuten laufen muss. So finden Markela und ich meist immer jemanden, der uns begleitet. Für mich ist es aber immernoch ungewohnt, so von anderen Leuten abhängig zu sein. Wenn ich nämlich weiss, dass mich später niemand bringen kann,  muss ich vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein, also gegen 18.30 Uhr. Da ist Deutschland doch etwas sicherer.

8.6.07 00:10

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