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Muttertag in Costa Rica.

In Costa Rica wird der Muttertag nicht wie im Deutschland im Mai gefeiert, sondern am 15. August jedes Jahres. Die Mutter hat hier im Leben aller Menschen ein hohen Stellenwert, doch der eigentliche Sinn des Muttertags hat sich hier inzwischen ein bisschen im Konsumrausch verloren. Schon Monate vorher wird in Radio, Fernsehen und Zeitung mit Anzeigen bombadiert, die sagen:

"Kauf Mama zu diesem Muttertag das, was sie sich wirklich wünscht! Wir haben alle neuen Handymodelle vorrätig, da ist auch für deine Mutter eins dabei!"

"Riesenangebot im Autohaus! Wenn du deiner Mutter heute ein Auto kaufst, sparst du 15 Prozent!"

"Weil sie Mutter und Freundin ist, verdient sie doppelt Geschenke! Kauf im August eine Waschmaschine und nimm den Trockner für die Hälfte des Preises mit!"

Anzeigen, die meine Geschenke in Deutschland zum Muttertag (Blumen und Pralienen) doch ein wenig mickrig erscheinen liessen. Beim Gespräch mit meiner Gastschwetser fand ich aber schnell heraus, dass auch sie nicht geplant hatte. ihrer Mutter ein Handy oder eine Waschmaschine zu kaufen und wir überlegten uns ein presiwerteres, aber mehr von herzen kommendes Geschenk. Letztendlich kam Markela dann die zündenede Idee: Eine Serenata.

Eine Serenata ist eine alte Costaricanische Tradition, die man für die Personen veranstaltet, die man liebt: Die Ehefrau, die Freundin oder in diesem Fall eben die Mutter. Für diesen Zweck sucht man sich ein paar Freunde zusammen und es wird derjenige auserkohren, der halbwegs 3 Akorde auf der Gitarre zustande bringt. Dann sucht man sich ein bekanntes Liebeslied und ändert den Text der Situation entsprechend ein bisschen ab (ändert in diesem Fall als "meine Liebe" in "Meine Mutter". In der nacht des Muttertags schleicht man sich mit einer Ausrede aus dem Haus (oder klettert notfalls durchs Fenster) und versammelt sich mit den Freunden und macht sich dann bewaffnet mit Notenblatt, Halsbonbons und Gitarre auf den Weg. Nacheinander wird jedes Haus der Teilnehmenden angesteuert, der Hund mit ein paar Hundekuchen zum schweigen gebracht und vor dem Fenster der schon schlafenden Mutter das speziell zugeschnitte Lied gesungen. Nicht wenige Mütter kamen zu Tränen gerührt im Morgenmantel vor die Tür geschlurft und meinten "Das wäre das schönste Geschenk, dass sie sch hätten vorstellen können".

 

20.8.07 17:39, kommentieren

Trockenzeit - Regenzeit.

Wenn man ein Jahr in Costa Rica lebt, bemerkt man, was das europäische Klima mit 4 Jahreszeiten doch manchmal für sich hat. In Costa Rica teilt sich das Jahr in nur 2 Epochen auf : von Juni bis Oktober "Winter" und von November bis Mai "Sommer". Diese Namen könnten etwas verwirrend wirken - erstmal sind sie umkehrt zum deutschen Klima und mit einem "Winter" würde man hier ja auch nicht rechnen. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man eigentlich die Namen "Regenzeit" und "Trockenzeit" verwenden sollte.

Hier, in Guanacaste (der wohl heissesten Provinz Costaricas) fällt das Thermometer eigentlcih selten unter 25 Grad und erreicht schon mal Spitzenwerte von 37 Grad Celcius. In der Trockenzeit ("Sommer" ist das aber kein so grosses Problem - man muss ich einfach im Schatten aufhalten. Wenn ab Juli aber der Regen beginnt, wird das ganze für Nicht-Ticos ein bisschen unangenehm - die Luftfeuchtigkeit steigt auf 80 Prozent oder mehr und verwandelt das gesamte Land in eine Waschküche. Es regent jeden Tag : anfangs nur abends einmal, ab August täglich mehrmals ab 4 pm und im September muss man mit "Temporales" rechnen: 10 Tage Regen am Stück ohne eine Sekunde Pause. Das führt zu dem ständigen Verlangen, sich abzutrocknen, weil man sich immer irgendwie nass oder klamm fühlt, die Wäsche wird nicht mehr trocken und die Haare der meisten Menschen verwandeln sich in wild wucherndes Chaos. Die Ticos scheint das Ganze aber nicht gross zu stören - wenn sie aus dem Huas gehen, wissen sie, dass sie nass werden und nehmen gleich den Regenschirm mit. Auch wenn sie den verloren oder vergessen haben, lassen sie sich davon nicht den Tag verderben: irgendwo wohnt immer "der Freund vom Cousin von einer Mitschülerin", bei dem man einen Regenschirm leihen kann. Und selbst wenn das mal nicht der Fall sein sollte : da wird einfach das Handy in eine der kleinen Plastiktüten gesteckt, die die Ticos für diesen Zweck immer dabei haben und gesagt: "Von ein bisschen Regen ist noch keiner gestorben".

Von "ein bisschen Regen" zu sprechen ist allerdings eine masslose Untertreibung - wenn es hier regnet, dann richtig. Innerhalb von 5 Minuten steht das Wasser knöcheltief auf den Strassen und wenn man in einem der Häuser mit Wellblechdach lebt, versteht man vom Lärm der Tropfen auf dem Metall sein eigenes Wort nicht.

So nasas der Winter sein mag, desto trocken aber auch der Sommer. Von November bis Mai fällt kein einziger Tropfen Regen in dieser Zone, was manchmal sogar für Probleme mit der Stromversorgung führt (wenn die Wasserkraftwerke austrocknen). Trotz eines halben Jahres strahlenden Sonnenscheins und Sommerhitze das ganze Jahr fehlt mir aber doch ein bisschen das, was ich gewohnt bin: die ersten Schneeglöckchen, die fallenden Blätter im Herbst, der erste Tag, an dem na ein T-Shirt anziehen kann, wie es jeden Tag ein bisschen früher hell und ein bisschen später dunkel...

Naja, wir werden sehen, ob ich immernoch genauso denke, wenn ich im Januar die 36 Grad hier verlass und mit den arktischen Temperaturen in Deutschland kämpfen muss.

1 Kommentar 20.8.07 18:53, kommentieren