Vamos a la Playa!

Wenn eine Deutsche an den Strand fährt, braucht sie ein Handtuch, Badesachen und Sonnecreme. Aber wir sind hier in Costa rica. Das wär viel zu einfach. Wenn meine Gastfamilie an den Strand fährt, braucht sie:

8 Handtücher, 3 mal trockene Sachen zum wechseln, 4 Klappstühle, einen Campingtisch, einen kanister mit Wasser, 4 Flaschen Trinkwasser, 3 Kameras, 2 Sonnenschirme, 4 Arten von Sonnencreme, Creme für nach dem Baden, Plastikbecher, Plastickbesteck, Plastikteller und Essen. Jede Menge Essen.

Ein Deutscher nimmt ein bisschen Wasse mit an den Strand, Butterbrote und vielleicht ein paar Kekse. Aber wir sind hier in Costa Rica.

Fanta, Wasser, Cola, Kaffee, Sandwiches, Kekse, Thunfisch, Frischkäse, Reis mit Hühnchen, Joghurt, Bonbons, Bohnen, Melone, Ananas und andere Kekse.

Wenn man das alles in Auto verstaut hat, kann es losgehen, zum Strand von Carillo. Mit dem Auto fährt man ungefähr 30 Minuten, aber nur, weil die Strassen so schlecht sind. Dort sucht man dann die schönste Kokospalme aus, um den ganzen Kram auszupacken und festzustellen, "dass man ja doch ziemlich wenig mitgenommen hätte". Dann cremt man sich gut ein und stürzt sich in die badewannenwarmen, glasklaren Fluten. Ein Tico kann sich 3 Stunden baden, ohne sich einen Sonnenbrand zu holen. Eine Deutsche nicht. Das weiss ich jetzt. Abends, wenn alle Handtücher dreckig sind und auf wundersame Weise das ganze Essen verschwunden ist, packt man die übrigen Sachen ins Auto, und fährt wieder nach Hause. Und nimmt sich vor, dass nächste mal ein bissche mehr mitzunehmen.

In den Ferien fährt meine Gastfamilie immer eine Woche an den Strand. Ich weiss nicht, wie sie das machen. Vielleicht mieten sie einen Umzugswagen.

1 Kommentar 31.5.07 22:15, kommentieren

Quince años

 

Der 15. Geburtstag der Mädchen, der Quince, wird hier in Costa Rica wie in ganz Lateinamerika ganz gross gefeiert. Früher war das das Alter, ab dem die Mädchen als heiratsfähig galten und so wurde der Geburtstag meist gleich mit der Verlobung kombiniert. Das ist heutzutage zwar nicht mehr üblich, aber mit 15 gilt man hier als junge Frau und nicht mehr als Kind. Zum Glück hatte ich schon einmal die Chance, soeinen Quince mitzuerleben - den meiner besten Freundin Jennifer. Es ist ein Erlebnis.

Gefeiert wird meistens im Salón Comunal, so einer Art "Gemeindehaus", das man eben dafür mieten kann. Dieser wird geschmückt und dekoriert. Komplett pink. Von den Luftballons über die Plastikbecher bis zu den Servietten - alles pink. Im ersten Momnet glaubt man, man sei in Barbies Partykeller gelandet. Das Gevurtstagskind, die Quinceñera, trägt zum ersten Mal ein langes Kleid, dass meistens extrem nach Hochzeitskleid aussieht. Bei den richtig grossen Festen wird das von den Gästen auch verlangt, aber Jennifers Party war, wie man mir sagt "winzig". Ich fand sie beeindruckend. Wie in einem kleinen Dorf meistens, ist man hier mit so gut wie jedem verwant, so dass halb Nicoya eingeladen war. Wie bei Festen in Costa Rica so üblich, gibt es einen Haufen von leckerem Essen, gekrönt von einer komplett mit pinkem Zuckerguss überzogenen Torte, die in Deutschland viellicht garde mal zu einer Hochzeit serviert wird. Aber noch viel unglaublicher war für mich der Teil, der danach kam: die Tische werden zur Seite geschoben und die der Saal verwandelt sich in eine Tanzfläche, die einen deutschen Ball würdig ist. Erst tanzt die Quinceñera den traditionellen ersten walzer mit ihrem Vater und ein paar Tanten und Onkels ein paar langweilige Standarttänze. Aber dass wird Salsa, Merengue und Cumbia aufgelegt und niemand bleibt auf den Stühlen sitzen! Auch wenn man überhaupt keine Ahnung hat wie man das tanzt (so wie ich) . irgendjemand zieht einen auf die Tanzfläche und nach 2 liedern hat man wenigstens den Grundschritt raus. Wenn die "Alten Leute" (also die Eltern, Omas und Onkel) dann irgendwann keine Lust mehr haben, wird die Musik auf Reggeaton umgestellt, und die Quinceñera tanzt noch bis tief in die Nacht mit ihren Freunden weiter. 

Ein deutscher 16. Geburtstag ist dagegen lachhaft.  

1 Kommentar 30.5.07 22:27, kommentieren

Einige seltsame Fakten über das Leben in Costa Rica

- Es gibt hier kein Duschgel, sondern nur Seife.

- Spüli gibt es dafür am Stück, wie so eine Art Butter.

- Man kauft nicht einmal in der Woche alles ein, sondern jeden Tag das, was man für einen Tag braucht.

- Man siezt hier alle, bis zum Haustier (am Anfang schon etwas seltsam, wenn man zum Hund sagt: Verlassen sie das Wohnzimmer, sie haben nasse Pfoten! ).

- An jeder Ecke gibt es einen Tante-Emma-Laden, eine Pulperia, in der man täglichen Bedarf wie Milch, Brot, Seife, Obst, Müllsäcke oder Süssigkeiten kauft (in die man dementsprechend auch jeden Tag geht).

- Man isst hier meistens ohne Messer, nur mit der Gabel. Wenn es also Fleisch gibt, wird das aufgespiesst und "abgenagt". Etwas gewöhnungsbedüftig.

- Es gibt zu jedem warmen Essen Reis, auch wenn es Kartoffeln, Nudeln oder Kartoffelpüree gibt.

- Man spricht Lehrer hier nicht mit dem namen an wie in Deutschland, sondern einfach mit "Profesor" oder "Profe" (deshalb kann ich bis heute noch niemandem sagen, wer meine Lehrer sind - ich kenn die Namen noch nicht.), Onkel und Taten mit "Tio" und "Tia" (was einfach Onkel und Tante heisst.)

- Geschenkpapier ist hier unbekannt - man steckt die Geburtstagsgeschenke hier in riesige, kitschige Tüten mit Motiven drauf, die meist genausoviel kosten wie das Geschenk selber.

- Alles, was man hier kaufen kann, "duftet" nach irgendetwas (Vanille, Erdbeeer, Fruchtcocktail oder so) - von Cremes über Schuhputzmitel und Spüli bis hin zu Antimückenlotion.

- Die Ticos leiden unter einem zwanghaften Verkleinerungstick, das heisst, sie hängen an jedes wort eine Verniedlichungssilbe an. (Beispiel: Cuando mi hermanita está solita en la casita en la mañanita siempe se levanta tempranito. Heisst etwa: wenn mein Schwesterchen morgenschen alleinchen im Häuschen ist, steht sie früchen auf)

- Zur Begrüssung schüttelt man sich hier nicht die Hand, sondern gibt sich ein Küsschen auf die rechte Wange (2 Männer klpofen sich allerdings auf die Schulter)

- Das Toilettenpapier wird auf Grund der dünnen Abflussrohre nicht in die Toilette, sondern in einen beistehenden Mülleimer entsorgt.

1 Kommentar 30.5.07 22:01, kommentieren

Mi familia (meine Gastfamilie)

Am 13.02.02 lernte ich dann also meine Gastfamile wirklich kennen. Zum Glück hatte sich in den 2 Wochen mit esteban mein Spanisch enorm verbessert, sodass ich mich dieses mal mit ihnen mehr oder weniger verständigen konnte. Im Auto wurden erstmal ein paar Basisfragen geklärt (wie der urlaub war, wie es mir geht, wer wie heisst...) und ich war eigentlich höchst zufrieden. Doch dann kam der Schock, als wir aus dem Auto stiegen. Das Haus ist winzig! Wenn man die Tür aufmacht, steht man sofort im Wohnzimmer, vo dort aus geht man in die Küche, die mehr wie ein Flur aussieht und nach draussen auf die Terasse führt. Ausserdem gibt es noch ein badezimmer von 4 Quadratmetern, das Zimmer meiner Gasteltern, dass meines Bruders und mein Zimmer, dass ich mir mit meiner Schwester teile. Besonders das war ein Schock: ein Hochbett und ein Regal. Sonst nichts. (das Zimmer hat ja auch nur 6 Quadratmeter) So kam es, dass ich die erste nacht in "meinem Bett" ziemlich tarurig einschlief und eigentlich viel lieber wieder nach Deutschland wollte.

Das hat sich aber innerhalb von 2 Tagen komplett geändert, dank meiner wirklich tollen Gastfamilie. Mein Gastvater heisst Jorge und glaub ich 52 Jahre alt. Er ist Tierarzt und hat eine Praxis im Zentrum von Nicoya, 5 Minuten mit dem Auto entfernt. Meine Gastmutter heisst Rosa Virginia, zieht es aber vor, Vicky genannt zu werden. Sie ist glab ich 48 Jahre alt und Richterin. (Mit dem Alter bin ich bei den 2 nicht ganz sicher, weil die Angaben von AFS nicht immer stimmen). Ausserdem hab ich noch einen Bruder, Jorge, der 19 ist und meine Schwester Sandra Markela, die aber nur Markela genannt werden will, 15 Jahre. Jorge studiert schon (Tourismus) und ist deshlab wenig zuhause, obwohl er nich hier wohnt. Markela geht mit mir in eine Klasse und sit auch sonst meine grosse Unterstützung in allem. Sie nimmt mich immer mit, wenn sie etwas mit Freunden unternimmt, hat mich in ihrer Tanzgruppe mit angemeldet und hat mir besonders die ersten Tage in der Schule sehr geholfen. Sie ist also nicht nur meine Schwester, sondern auch sowas wie meine beste Freundin. Mein Gastvater hat in Tschechien studiert und weiss deshalb sehr viel über das Leben in Europa - auch das hilft mir sehr. Er ist immer sehr bmüht, mir die costaricanische Kultur zu zeigen und zu erklären.

Ich fühle mich in meiner Famile schon fast vollkommen integriert, obwohl ich erst 3 Monate hier lebe. Ich glaube, ich werde wirklich so behandelt, wie die "richtigen" Kinder  der Famile, hab die gleichen Rechte (zb. unter der Woche bis 21.30 Uhr wegbleiben, am Wochenende nach Verhandlung) und die gleichen Pflichten (meine Sachen waschen und bügeln, fegen, wischen, beim Kochen helfen, Schildkröten füttern). Ausserdem ist meine Familie sehr "aufmerksam" - wenn sie sehen, dass mir etwas gut schmeckt oder gefällt, kann ich sicher sein, dass wir das bald wieder machen.

Alles in allem habe ich also die perfekte Familie erwischt - das einzige, was mir noch ein bisschen Probleme macht, sind die Anreden bei uns. In meiner Familie wird niemand mit dem Vornamen ansprochen, das heisst sowohl mein Bruder also auch meine Schwester und mein Gastvater rufen meine Gastmutter mit "Mamá" und dementsprechend meine Gastvater mit "papá". Wir Kinder  werden mit "Niño" (eigentlich: kleiner Junge) und "Niña" (kleines Mädchen) gerufen, was am Anfang für einige Verwirrung gesorgt hat, weil ich mich nie angesprochen gefühlt hab. Nach wie vor bin ich mir nicht ganz sicher, wie ich meine Gasteltern nennen soll. Sie sagen, dass soll ich selbst entscheiden und erst "mamá y papá" sagen, wenn ich soweit bin. Ich denke also, das wird die Zeit entscheiden.

22.5.07 23:28, kommentieren

Ankunft in Costa Rica

Nach fast einem Jahr Vorbereitung war es dann am 02.02.07 endlich soweit: Es geht los!

Am Flughafen ging alles ganz schnell, und ehe ich es richtig bemerkt hatte, sass ich schon im Flieger nach Madrid. Zum Glück hatte ich einen Fensterplatz ergattert und so konnte ich noch einen letzten Blick auf Deutschland, meine "Heimat" werfen, bevor ich mich für ein Jahr von ihr verabschieden musste. In Madrid angekommen, bekamen ich du die andern 17 deutschen AFSler dann schon einmal einen Vorgeschmack darauf, was es heisst, plötzlich auf sich allein gestellt zu sein. Ein Terminalwechsel in 2 Stunden in einem riesigen Flughafen war unsere erste Bewährungsprobe, die wir aber zum Glück mit einigen Panikattacken und viel Gerenne gemeistert haben. Als wir dann endlich im Flugzeug nach San José sassen, fingen wir erst so richtig an zu begreifen, auf was wir uns da eigentlich eingelassen haben, und so manch einer wünschte sich, er hätte sich ordentlich zu hause verabschiedet. Aber dafür war es jetzt zu spät und so versuchten wir, unsere Gedanken in den 14 Stunden Flug so positiv wie möglich nach vorne zu richten.

Im Flughafen wurden wir dann vom AFS-Personal in Empfang genommen und die Soregn und Ängste der letzten 14 Stunden waren wie weggeblasen: Wer einmal die untergehende Sonne über der Skyline von San José gesehen hat, versteht, warum. Wir hatten aber nicht viel Zeit, das Bild zu geniessen, denn mit für Latinos ungewohnter Hektik ging es auf ins Arrival-Camp. Dort verbrachten wir 2 Tage mit den Austauschschülern aus der ganzen Welt und wurden auf Themen wie Schule, Kultur, Essen oder Familie vorbereitet. Und das war auch das grösste Thema unter uns AFSlern: Die Gastfamilien. Wie sich herausstellte, waren meine Informationen extrem dürftig ausgefallen: ich hatte weder Fotos noch einen Brief noch eine detallierte Beschreibung erhalten. Das war allerdings mein geringstes Problem, denn ganz offensichtlcih war meine Gastfamilie im Urlaub und AFS hatte sich nicht um eine Übergangsfamilie gekümmert. Das ständige "Don`t worry, don`t worry, DON`T WORRY!!!!!!!!" der Betreuer haben bei mir eher das Gegenteil bewirkt, und als ich dann als einzige keinen Bogen mit genaueren Infos über die Familie bekommen habe, dachte ich schon, ich müsste unter irgendeiner Brücke schlafen. Glücklicherweise hat sich dann aber doch noch alles zum Guten gewendet und mir wurde gesagt, ich hätte auf jeden Fall einen Platz zum schlafen für die ersten 2 Wochen.

Etwas beruhigt ging es dann also vom Camp in Heredia auf nach Nicoya, meiner neuen Heimat für ein Jahr. Mit jeden Meter, denn wir das Gebirge runterfuhren, wurde es ein Gard wärmer, und während ich im Camp in der Nacht noch gefohren hatte, wurde mir im Bus klar, dass Guanacaste wirklich Costa Ricas heisseste Provinz ist. In Nicoya angekommen wurden ich und die 3 anderen Austauschschüler ganz nett vom Komite-Personal begrüsst und ich konnte meine Gastfamile sogar noch kurz treffen. Leider war ich so müde, dass ich fast kein Wort Spanisch herausbrachte und habe so glaub ich einen ziemlich komischen ersten Eindruck hinterlassen. Während meine Gastfamile sich in dieser nacht also auf den Weg in den Urlaub nach San Andrés, Kolumbien machte, verbrachte ich meine erste Nacht in Costa Rica im Haus eines AFS-Freiwilligen.

Wieder Erwarten stellte sich das als wahrer Segen heraus, denn dieser hatte 2005 als AFSler in Deutschland verbracht und war mir so eine grosse Hilfe im Dolmetschen und beim Erklären der doch recht anderen Kultur. So lebte ich also 2 Wochen im Haus von Esteban, und hatte in dieser zeit immer noch nicht so richtig realiziert, dass ich erst im nächsten jahr wieder "nach hause" fahren würde. Wie unternahmen viel zusammen, waren bei Konzerten und am Strand und irgendwie fühlte sich das ganze mehr nach Urlaub an. Aber am 13.02.07 klingelte dann das Telefon und mein Gastvater kundigte an, dass er mich in 2 Stunden abholen kommt. Also fing ich an meinen Koffer wieder zu packen und da wurde mir klar: Jetzt geht es richtig los. 

22.5.07 23:26, kommentieren