Möglichst viel, möglichst oft, möglichst ungesund. Costaricanische Essgewohnheiten.

Ein altes Vorurteil der AFS-Austauschschüler besagt, wer nach Costa Rica geht, müsse sich auf ArrozFrijolesSiempre (zu deutsch: Reis, Bohnen, Immer) einstellen. Eine Aussicht, die mich doch etwas beunruhigte. Seitdem ich hier bin, weiss ich, dass ich die Frage, ob das den wirklich so wäre, mit einem klaren "Jein" beantworten kann.

Auf die tradionelle Küche trifft das definitiv zu. So wird in manchen Familien so exessiz das typische Frühstück "Gallo Pinto" (schwarze Bohnen und Reis, angebraten mit Koriander, Zwiebeln und Paprika) gegessen, dass eine deutsche Austauschschülerin sogar das "Vater Unser" anzweifelte. (Sie fragte sich, ob die Costaricaner die Bitte "unser tägliches Brot gib uns heute" nicht erlicherweise in "unser tägliches Gallo Pinto gib uns heute" umändern müssten) Brot ist allerdings wirklich etwas, was man als Deutscher hier vermisst. Es gibt zwar Baguette und Toastbrot, aber die Vielfalt, mit der man sich in einer deutschen Bäckerei konfrontiert sieht, wird man hier wohl vergeblich suchen. Ausserdem wird Brot nicht als volle Mahlzeit angehen: Als ich am ersten Morgen am Frühstückstisch einfach nur Brot mit Marmelade essen wollte, blickte ich in entsetze Gesichter. "Das wäre doch kein Frühstück!" Angesichts dessen und der Marmelade hier bin ich also von dieser Angewohnheit abgewichen: dieser höllisch süsse Glibber, auf dem steht, er hätte etwas mit Obst zu tun, lässt mich jeden Morgen aufs Neue von der selbstgemachten Erdbeermarmelade meiner Mutter träumen. Das Frühstück, das als wichtigste Mahlzeit des Tages angesehen wird, hat also mit dem deutschen nichts gemein und ist wohl am ehesten mit  dem englischen zu vergleichen: neben "Gallo Pinto" findet man meist Rührei, Tortillas, gebratene Würstchen, Avocado, gebratene Kochbananen oder sogar Fleisch mit Sosse auf dem Tisch. Zum Glück wird dieses Bankett in meiner Gastfamilie aber nur am Wochenende aufgetischt, denn morgens um 6 Uhr habe ich doch ein bisschen Probleme mit dieser Fülle an Essen. Weil es meiner Gastschwester aber genauso geht, haben wir uns auf Cornflakes für das Frühstück geeinigt.

Die Ticos essen immer. Eigentlich den ganzen Tag lang. So wird also in der Schule spätestens in der ersten grosse Pause das 2. Frühstück eingenommen, dass ebenfalls nichts mit den Käsestullen zu tun hat, die ich aus Deutschland für diesen Zweck gewohnt bin. Hier ist es üblich, sich am Schulkiosk etwas warmes zu kaufen, wobei man die Auswahl zwischen Tacos, Hamburgern, Frikadellen mit Tortilla und "Empanadas" hat. Bei diesen "Empanadas" handelt es sich um gebackene Teigtaschen mit köstlicher Füllung aus Hühnchen, Kartoffeln, Käse und Schinken oder natürlich Reis oder Bohnen, von denen mein durchschnittlicher Mitschüler schonmal 3 an einem Morgen verputzt.

Zum Mittagessen wird in den meisten Familen "Casado" (zu deutsch: verheiratet) serviert, das wohl typischte Gericht in Costa Rica. Es besteht aus Reis, Bohnen, Salat oder Gemüse, Tortilla und irgendeiner Art von Fleisch, Fisch oder Hühnchen. Sonst gibt es auch die leckeren "Picadillos", eine spezielle Zubereitungsart von Kartoffeln, "Tamales", Bananenblatt gegarte Mischung aus Maismehl, Reis, Gemüse und Fleisch, oder einfach bunten, gebratenen "Arroz con..." (Reis mit....), welcher mit Hühnchen, Thunfisch, Fleisch oder Gemüse zubereitet werden kann. Was man hier also vergeblich sucht, sind die in Deutschland so beliebten Eintöpfe oder Aufläufe - das Essen hier besteht immer aus meheren verschiedenen Komponenten. Zum Mittagessen trinkt man "Fresco", frisch gemachten Fruchtsaft aus dem Obst, das gerade im Haus ist (meist aus Mango, Zitrone, Orange, Cas, Carambola, Tamarindos oder allem zusammen).

Auch zum Abenbrot wird in Costa Rica warm gegessen, und war der Einfachheit halber meist die Reste vom Mittagessen etwas umgeformt. Wenn es zum Beispiel mittags "Casado" mit Hünchen gab, wird das Abendessen wohl "Arroz con" Hühnchen sein.

Nach dem wirklichen Abendessen, also gegen 21.00 Uhr, wird oft noch eine Art Nachtisch gegessen: das kann Obst sein, frisch aus dem Garten gepflückt, Eis, Wackelpudding, gefülltes Gebäck oder "Tres Leches". Bei diesem wohl traditonellsten Nachtisch handelt es sich um die himmlische Versuchung eines Kuchens mit Kondensmilch, Milchpulver, Sahne und Karamell.

Die Ticos nehmen aus einem mir unerklärlichen Grund trotz diesem Haufen an Essen, dass sie jeden Tag verputzen, kein Garmm zu. Ein biologisches Wunder, mit dem ich leider nicht gesegnet bin. Zum Gück gibt es in Nicoya keine Busse, sodass ich sehr viel zu Fuss gehen muss. Deshalb kann ich mir diese süssen Sünden doch manchmal erlauben.

1 Kommentar 2.7.07 00:45, kommentieren

Geschlechterrollen

Wie alle lateinamerikanischen Länder ist auch Costa Rica stark vom Machismus geprägt. Das hat sich zwar durch den Einfluss der USA und Europa in den letzten 10 Jahren schon recht stark geändert, doch als Deutsche bemerke ich trotzdem relative Unterschiede.

So ist es hier normal, dass die Frauen zur Schule gehen und studieren. Doch wenn sie einmal verheiratet und schwanger sind, wird von ihnen erwartet, ab sofort ohne zu zögern Hausfrau und Muuter zu sein und die Karriere zu vergessen. Deshalb wird es auch als ganz normal angesehen, dass die Töchter ab dem 6. Lebensjahr voll im Haushalt mithelfen müssen: waschen, putzen, kochen und bügeln, um das für später zu lernen, wärend das für Jungs nicht nötig ist, weil sie ja dafür später ihre Frau haben. Sowieso haben die Söhne in den Familien viel mehr Rechte als die Töchter: sie dürfen abends in die Disko gehen, feste Freundinnen haben und auf Partys feiern, während sich das für Mädchen "nicht schickt". Allerdings muss man beachten, dass dies zum grossen Teil auch Vorsichtsmassnahmen sind, denn wenn man unverheiratet schwanger wird, kann man damit rechnen, den Vater des Kindes warscheinlich nie wieder zu sehen. Genauso ist es mit Berufen, die Frauen hier nicht ergreifen sollten, wie Feuerwehr, Polizei, Tankwart, Mechaniker oder Taxifahrer. Nach Meinung der Ticos sind alle diese Berufe gefährlich uns sollten deshalb den Männern überlassen werden.

Andererseits trifft man hier aber auch mehr als in Europa auf wahre Kavaliere: es ist hier selbstverständlich, dass man den Damen die Autotür aufmacht, sie zuerst durch die Tür gehen lässt, sie abends bis nach Hause begleitet und ihnen mit schweren Arbeiten hilft. Wenn ich zum Beispiel in der Schule meinen Stuhl nach draussen tragen will, laufen gleich von 3 Seiten männliche Klassenkameraden herbei und nehmen ihn mir ab, denn das wäre "viel zu schwer für mich".

So muss man also sehen, dass die costaricanische Kultur nicht einfach nur frauenfeindlich ist. Man denkt hier aber, dass Mann und Frau von Gott verschieden erschaffen sind, um verschiedene Aufgaben im Leben zu übernehmen.

30.6.07 18:28, kommentieren

Meine Schule

In Nicoya gibt es 3 Schulen: das Liceo de Nicoya, eine ganz normale öffentliche Schule, das Euipcuario, eine technische Schule und das Centrum Educativum Catolico San Ambrosio, eine katholische Privatschule, die ich besuche.

Als Austauschshüler nach San Ambrosio zu gehen, hat jede Menge Vorteile: Die Schule ist winzig klein, es gibt in jedem Jahrgang nur eine Klasse, das heisst, wir sind von der 1 bis zur 11 zusammen nur etwas mehr als 200 Schüler. Dementsprechend ist auch das Schulgelände sehr klein und so lernt man innerhalb von wenigen Tage alle Schüler kennen. Jeder in San Ambrosio weiss, wer ich bin, die Deutsche, die "Macha", die Austauschschülerin, und so versucht mir auch jeder zu helfen, so gut es geht. Denn obwohl wir nicht viele Räume haben, hab ich mich am Anfang doch manchmal ein bisschen verlaufen und ich war überrascht, dass jedes mal, wenn ich verloren herumstand jemand rief: "Francisca, was suchst du, wo sollst du hingehen?" Meistens kannte ich die betreffende Person gar nicht und war doch sehr verwundert, dass sie meinen Namen wusste. Doch daran hab ich mich inzwischen gewöhnt, genauso wie an die Tatsache, dass Erstklässler mich Mittags zum Auto ihrer Eltern mitnehmen und mich stolz als "ihre Freundin Francisca" vorstellen, obwohl ich sie vorher noch nie gesehen hab.

Im Vergeich zu den andern Schulen ist der Unterricht in San Ambrosio relativ streng: So müssen wir zum Beispiel jeden Tag die Schuluniform korrekt tragen und bei den Ohrringen wird wirklich geschaut, ob sie zu gross sind oder nicht. Ausserdem ist das Schulgelände mit Stacheldraht eingezäunt und wir können es somit während des Tages nur mit schriftliches Erlaubnis der 2 Schulleiterinnen (2 etwas zickigen Nonnen) verlassen. Deshalb essen wir jeden Tag in der Schule, in der Pause von 12.00 bis 12.40. Das Schulessen besteht jeden Tag aus Reis,Bohnen, gebratenen Kochbananen und buntem Salat und dazu gibt es Fleisch, Fisch oder Hühnchen und wechselnd Kartoffelpüree, Pommes, Nudel- oder Kartoffelsalat oder Spagetti. Die Portion Mittagessen mit einem Getränk kostet 600 Colon, etwa einen Euro, und ist meist so viel, dass die auf dem Schulgelände streunenden Hunde locker mit satt werden. Nach dem Mittagessen werden schnell die Zähne an einem der unzähligen Open-Air-Waschbecken geputzt und dann geht es mit dem Nachmittagsunterricht weiter, der auf Grund der unerträglichen Hitze allerdings oft draussen im Schatten der Kokospalmen abgehalten wird. 10 Minuten vor der eigentlichen Ender der letzten Lektion packen wir unsere Sachen zusammen, ordenen die Stühle und fegen die Klasse durch und dann machen wir uns auf zum Tor um uns einen guten Platz im Bus zu sichern. Dieser Bus ist allerdings kein normaler Linienbus, sondern ein alter, klappriger VW-Bus der Schule, der alle Schüler bis direkt vor die Haustür bringt. Das ist zwar praktisch, dauert aber leider auch ewig, sodass ich meist erst um 15.30Uhr zu hause ankomme. Zum Glück gibt es aber in Costa Rica kaum die Sitte der "Hausaufgaben", weshalb ich, einmal zu hause angekommen, wirklich frei für den Tag habe.

Obwohl San Ambrosio eine Privatschule ist, heisst das keinesfalls, dass sie besser ausgerüstet ist als die staatlichen. Wir haben weder Biologie- noch Chemieräume (von Laboren ganz zu schweigen); das Sekreteriat ist ein dunkles Abstellräumchen ohne Fenster; die Buchhaltung wird von Hand gemacht und das, was sich hier Computerraum nennt, würde in Deutschland mit viel Glück als Elektroschrott durchgehen. Das ist aber nicht wichtig, denn wenn man wirklich lernen will, braucht man nur ein Buch, einen Stift, Papier und einen Lehrer, der einem etwas beibringen möchte. Der agnze erktronische Schnickschack mit dem man in Deutschland den Unterricht anschaulicher, interessanter oder moderner machen will, ist eigentlich vollkommen überflüssig.  

1 Kommentar 30.6.07 17:59, kommentieren

Mit ausgeblasenen Eiern gegen Teenieschwangerschaften.

Wie alle Lateinamerikanischen Länder hat auch Costa Rica seit einiger Jahren verstärkt mit dem Phänomän der Teenieschwangerschaften zu kämpfen. Aus diesem Grund wurde für die 10. Klassen ein Religionsprojekt zum Thema “Verantwortung und Pflege” ins Leben gerufen: das Eierprojekt.

 

Das besteht darin, dass jede Schülerin ein Hühnerei ausblasen und es 3Wochen lang hüten muss, als wäre es ein Baby. Die Jungs wurden mit einer Mitschülerin “verheiratet” und teilen die gleiche Pflicht.
Als wir davon hörten, waren wir zuerst total begeistert und am Nachmittag stürmten Horden von Mädhcen in die Kurzwarenläden der Stadt, um Stoff, Haare, Knöpfe und bänder zu kaufen. Denn natürlich wollte jedet die schönste Wiege basteln, die hübschesten Kleidchen nähen und das süsste Baby haben.
Am nächsten Tag spazierten wir also voller Stolz mit unsren Körbchen und Wiegen in die Schule, präsentierten  unsere ¨Babys” und liessen sie vom Lehrer unterschreiben.
Doch die anfängliche Begeisterung flaute schnell ab, als wir bemerkten, welche Verantwortung man schon allein für “nur” ein Ei hat: Jemand muss darauf aufpassen, wenn man in der Pause nur mal kurz ins Bad will; es muss behütet werden, wenn man sich sein Mittagessen holt; man muss es vor grapschenden Erstklässlerhändchen beschützen, die es anfassen wollen und am wichtigsten: man darf es morgens nicht zuhause vergessen, denn wie ein echtes Kind muss man es überall mit hin nehmen.
Wie auch so oft im ehcten Leben waren die “Väter” keine besonders grosse Hilfe, “denn das ware Frauensache”.
Trotz grösster Vorsicht zerbrach so manches Ei und viele Mütter erlitten “Kindbettsdepressionen” und wollten “das Ding einfach nur loswerden”. Nicht selten hörte man in den 3 Wochen auch: “Wenn ich das so sehe, warte ich mit dem echten Baby lieber noch!”
So ist das Projekt wohl bei allen geglückt, denn selbst, wenn das Ei zerbrochen ist (und die Muter damit in diesem Trimester in Religion durchfällt) wissen wir jetzt alle: Teeniemutter sein ist kein Waldspaziergang!
Für eine meiner Mitschülerinnen kommt diese Einsicht allerdings zu spat: im Dezember bekommt sie ihr Baby, und das ist kein Projekt von 3 Wochen, sondern eine Lebensaufgabe. Aber sie sagt, auch für sie habe sich die Sache gelohnt, denn jetzt habe sie 24 Namensvorschläge für ihr Kleines gesammelt.

30.6.07 16:40, kommentieren

Die Schule

Wie eigentlich alles ist die Schule hier in Costa Rica nicht mit der deutschen zu vergleichen. Man könnte sagen, dass sie sehr viel "einfacher" ist - auf allen Ebenen.

Zuerst einmal gibt es kein kompliziertes System von verschiedenen Schultypen, dass acuh noch in jedem Bundesland variiert, sondern eine einheitliche Formel für ganz Costa Rica: zuerst 6 Jahre "Primaria" oder "Escuela", was wohl etwa der Grundschule entspricht und danach 5 Jahre "Secundaria" oder "Colegio". Insgesamt macht das also 11 Jahre Schulunterricht, die alle Schüler zusammen unterrichtet werden - es gibt keine Trennung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium. Das ist warscheinlich auch der Grund, warum es in Costa Rica als völlig unnormal angesehen wirds, nicht mindestens einmal in der Schullaufbahn sitzen zu bleiben.

So kann es also vorkommen, dass man in einer 8. Klasse, in der die Schüler normalerweise ungefähr 13 sind, einen 17jährigen zu finden. Wann man sitzen bleibt und wann nicht ist auch einfacher gelöst als in Deutschland: Die Noten hier werden in Prozent gerechnet. Die Endnote setzt sich zusammen aus den 3 Trimester-Noten, und die setzen sich zusammen aus den Examen, der "täglichen Arbeit", den Hausaufgaben, der "Trabajo Extraclase" und der Anwesenheit. Wenn man am Ende des Jahres weniger als 75% in einem Fach bekommt, muss man das Jahr wiederholen. So weit, so einfach.

Diese 75% mögten vielleicht ziemlich hoch erscheinen, aber das Niveu, dass ich hier in der 10. Klasse erlebe, entspricht in etwa dem einer 7. Klasse in Deutschland. Die Examen sind grösstenteils Ankreuztests und die "Trabajos Extraclase", so eine Art Referate, die aber nur abgegeben und nicht vorgetragen werden müssen, werden mehr nach Schönheit als nach Inhalt benotet. So ist es ganz normal, dass die ganze Klasse den gleichen Text einreicht, weil es der erste sit, der in "Google" erscheint, wenn man das Thema eingibt. Die Mädchen haben aber unglaublich Spass daran, die Zettel mit Herzen, Stickern, Glitzerpuder oder bunten Bildchen zu verzieren, was die Note irgendwie aufbessert. ( Die Jungs bestechen meistens ihr kleinen Schwestern mit Bonbons, ihre Arbeit auch so herzurichten.)

 Der Unterricht ist nicht so frontal, wie ich erwartet hatte: Meistens schriebt der Lehrer am Anfang der Stunde 10 Fragen an die Tafel und wir finden uns in Gruppen zusammen und schreiben die Antworten aus dem Buch ab. Daneben gibt es auch erstaunlich viel Gruppenpresentationen, das heisst, dass der Lehrer 5er-Gruppen einteilt und jede Gruppe ein anderes Thema vorstellen muss, mit einem Mittel ihrer Wahl (Tafelbild, Dialog, Dramatisazion, Schaubild...) Besondern in "Estudios Sociales" (Geschichte und Erdkunde) arbieten wir viel mit dieser Methode und so schafft man es, den kompletten ertsen Weltkrieg in einer Stunde durchzunehmen. Eine Gruppe behandelt die Ursachen, eine andere den Verlauf, eine dritte die Konsequenzen. Wirklich verstehen tun meine Klassenkemaraden aber nicht, was sie da hören und erzählen. Aber für die Examen reicht es ja auch, die Dinge auswendig zu lernen. So arbeiten wir eigentlich in allen fächern, die da wären:

Mathe, Spanisch, Estudios Sociales, Cívica ( ähnlich wie Politik), Biologie, Chemie, Physik, Kunst, Musik, Sport, Psychologie, Contabilidad ( Buchhaltung), Religion und Englisch. Das ist die einzige Ausnahme, denn dort haben wir ein tatsächliches Buch, mit dem man ganz normal Aufgaben bearbeiten könnte. Könnte. Wenn man es denn könnte. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund ist es für Ticos aber unheimlich schwer, Englisch zu lernen, und so erkläre ich ihnen trot 10 jahren Unterricht jeden Tag aufs Neue, dass man an das Verb in der 3. Person Singular ein "s" anhängen muss oder wie man "Guten Moren" auf Englisch sagt. Mein Lehrer spricht zwar ziemlich gut Englisch, aber ihm fehlt die Geduld, zu erklären, weshalb ich momnetan mehr oder weniger den Englischunterricht leite.

Im allgemeinen ider der Umgang mit den Lehrern hier ganz anders, ich würde sagen, total respektlos. Man spricht sie mit "Profe" oder mit dem Vornamen an, trifft sich auch am Wochenende mit ihnen und was der Lehrer sagt, ist hier mehr ein Vorschlag als ein wirklicher Auftrag. Wenn man also keine Lust auf Unterricht hat, verlässt man in der Stunde einfach mal das Klassenzimmer, setzt sich in eine Ecke zum Schlafen oder beginnt lautstark mit dem nachbarn "Stadt, Land, Fluss" zu spielen. Die Lherer hier sind allerdings daran gewöhnt und kümmern sich nicht weiter darum. Denn sie Schule läuft hier nach dem Motto: Wer lernen will, kann lernen. Wer es nicht will, der tut es halt nicht. Einfach, aber wirksam. Denn nach einer selbstständig erschaffenen Freistunde kommen meistens alle Schüler zurück in den Klassenraum. Denn sie wissen, wenn sie keine guten Noten haben, werden sie nie aus der Armut herauskommen.

1 Kommentar 14.6.07 22:20, kommentieren

Sicherheit

Costa Rica zählt zu den sichersten Ländern Lateinamerikas, und Nicoya zu einer der sichereren Städte. Trotzdem musste ich mich hier erstmal an einige neue Vorsichtsmassnahmen gewöhnen, die meine Freiheit doch ziemlich einschränken.

Ich lebe im Barrio (Stadtteil) Los Angeles, in dem ich mich ohne Probleme bei Tageslicht alleine draussen bewegen kann. Auch ins Zentrum kann ich alleine laufen, denn dies sind "Barrios Organizados", das heisst, es gibt eine Polizeistreife, die für Ordnung sorgt. In manchen Barrios sieht das aber ganz anders aus, in Nicoya vor allem in San Martin. Man könnte jetzt denken: kein Problem, hält man sich einfach von diesen Ecken fern. Aber meine Schule liegt in San Martin. Und dort ist es so gefährlich, dass man selbst bei hellstem Tageslicht nicht alleine auf die Strasse gehen sollte. Oder besser gesagt: ich nicht. Denn viele Ticos leben nach wie vor mit dem Vorurteil, alle blonden Mädchen hätten Geld und wären "sexuell sehr freizügig". So stellen sich momentan die Donnerstage als kleines Problem heraus, denn meine Schwester hat nach der Schule noch "banda" (so eine Art Band, ich glaube auf deutsch nennt man das "spielmannszug"und ich muss alleine nach Hause laufen. Aber das geht nicht, weil ich durch ganz San Martin muss. So ist das Los auf meinen Mitschüler Diego gefallen, mich ab sofort Donnerstags nach Hause zu begleiten, oder jedenfalls bis zur Hauptstrasse. Obwohl ich also mit einem 16jährigen Jungen unterwegs bin, machen wir immer noch einen riesigen Umweg, denn auf dem direkten Weg müssen wir an der "Plaza de los Mangos" vorbei, auf der mittags immer die Betrunkenen rumsitzen und mir jedesmal wenn ich da lang gehe "Macha" (blondes Mädchen), "llámame" (ruf mich an) "por qué no me llamastes ayer" (warum hast du mich gestern nicht angerufen) und andere Dinge hinterherrufen. ich versuche, sie einfach zu ignorieren, sie nicht anzusehen und stur geradeaus zu gehen, aber das macht sie meistens wütend. Deahalb vermeide ich jetzt, dort entlagzugehen.

Aber auch in anderen Stadtvierteln ist es nach Einbruch der Dunkelheit hier auf jeden Fall besser, in (männlicher) Begleitung unterwegs zu sein. Zum Glück ist es hier für die Jungs aber selbstverständlich, die Mädchen  abends bis zur Haustür zu bringen, selbst wenn man 20 Minuten laufen muss. So finden Markela und ich meist immer jemanden, der uns begleitet. Für mich ist es aber immernoch ungewohnt, so von anderen Leuten abhängig zu sein. Wenn ich nämlich weiss, dass mich später niemand bringen kann,  muss ich vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause sein, also gegen 18.30 Uhr. Da ist Deutschland doch etwas sicherer.

1 Kommentar 8.6.07 00:10, kommentieren

"Wilde" Tiere

Wenn man in Costa Rica auf die Strasse geht, sollte man immer darauf gefasst sein, mindestens 10 Tieren zu begegnen. Anfangs hat mir das etwas Angst gemacht, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und kümmere mich genausowenig wie die Ticos um eine Kuh im Vorgarten. Denn das kommt hier vor. Genauso wie wilde Pferde, die plötzlich die Strasse kreuzen oder Hühner, die durch den Supermarkt rennen. Und seitdem die Regenzeit eingesetzt hat, vermittelt noch etwas anderen des stetigen Eindruck, man wäre im Zoo: die wunderschönen Schmetterlinge, die man im Deutschland nur im Tropenhaus findet. Hier flattern die einfach durch die Gegend, ins Klassenzimmer, aufs Bett.... Ich bin immer total begeistert von den riesigen Grössen und den wunderschönen Mustern und will sofort meine Kamera holen, was meine Freunde seltsam finden, denn es sind doch "nur ganz normale Schmetterlinge". Sie teilen genausowenig meine Faszination für die kleinen Geckos, die Leguane oder die Kolibris, die ich im Garten beobachten kann. Zum Glück teilt meine Gastschwester aber die Abneigung gegen Schlangen und giftige Skorpione, sodass wir nach 5 Uhr nachmittags die Tür zumachen, um diese ungebetenen Gäste draussen zu behalten. Trotzdem schüttel ich meine Schuhe nach wie vor zweimal aus, bevor ich sie anziehe, denn auf einen Skorpionbiss kann ich gut verzichten - ich hatte nicht geplant, dass schöne Krankenhaus von Nicoya von innen zu sehen. Da sind mir die Schwetterlinge doch lieber. 

1 Kommentar 6.6.07 21:45, kommentieren