kulinarischer Ratgeber

Typische Gerichte, die man in Costa Rica einmal probieren sollte:

Tres Leches (Nachtisch; getränkter Kuchen mit Sahne)

Arroz de Maíz (typisch in Guanacaste; Maiseintopf mit Hühnchen)

Vigarones (beliebter Snack; gebratenes Schweineschwarte mit Salat und Yucca)

Ceviche (Vorspeise, Fisch oder Meeresfrüchte in spezieller Sosse, grosse Delikatesse im Land)

Gallina (beliebtes Gericht auf Festen, gebratenes Hähnchen in Sosse)

Tamales (traditonelles Weihnachtsessen; Mais, Reis, Fleisch und Gemüse im Bananenblatt gegart)

Granizados (süsser Strassensnack; gecrushtes Eis mit Schokolade, Leche condensada, Siruo und Milchpulver)

Mango verde con Sal y limón (Strassensnack; grüne Mangos mit Salz und Zitrone)

Picadillo de papa (Beilage, ähnlich dem deutschen Kartoffeleintopf .. aber ganz anders)

Gallo Pinto ( DAS Frühstück; Reis und schwarze Bohnen angbraten mit Zwiebel, Paprika und Knoblauch)

Chimichuri (Beilage, superleckerer Tomatensalat)

Milchprodukte im Überblick:

leche: Milch

mantequilla: Butter

yogur: Jogurt

crema chantilly; Schlagsahne

natilla: Schmand

Queso: Käse

Queso crema: Frischkäse

Leche condensada: "Kondensmilch"

leche pinito: Milchpulver

helado: Eis (nicht zu verwechseln mit hielo, Eiswürfeln)

Salsa blanca: Holondaisesosse, oder zumindest sowas ähnliches

batido: Milchshake

chocolate: Schokolade

queque: Kuchen

galletas: Kekse

 

Schweineprodukte im überblick:

carne de cerdo, chancho, puerco: Schweinefleisch

chicharones: gebratene Schweineschwarten

jamón: Schinken

salchicha: Wüstchen

salchichón: "Fleischwurst"

chuleta: Kotellet

manteca: Schmalz

 

Sonstiges:

Wassermelone : sandía , aber Honigmelone: melón.

nuezes: Nüsse

Johannisbeeren sind in Costa Rica unbekannt.

Wenn man einen "Fresco" (Frisch gepressten Fruchtsaft) bestellt, immer dazusagen "en agua" (in Wasser), sonst kann es einem passieren, dass er in Milch gebracht wird.

Um eventuelle Uverträglichkeiten auszuschliessen, aufpassen bei:

en salsa

empanizado (paniert, könnte in Butter sein)

Bei Zweifeln, einfach die Frage stellen : "Eso tiene ... leche, nuezes, cerdo.." (Ist da Milch, Nüsse, Schwein drin) 

Für den Nachtisch:

ensalada de frutas: obstsalt (ohne Eis bestellen!)

Gelatina: Wackelpudding.

Guten Appetit!

 

 

 

1 Kommentar 25.9.07 00:18, kommentieren

Kleiner Ratgeber für Costaricareisende.

Einige Dinge, die man wissen sollte, wenn man nach Costa Rica fährt.

1. Die Ticos sehen sich selber als "americános" (Amerikaner) an, wollen aber mit den Leuten aus den Vereinigten Staaten (estadosunidenses, oder einfach gringos) nichts tun tun haben.

2. Man sitzt hier alle Leute, selbst den Ehepartner und den Hund, deshlab sollte man nicht versuchen, jemandem das "du" anzubieten.

3. Man benutzt nicht die Formel Señor Jimenez, wie man im deutschen Herr Meyer sagt, sondern als Respektanrede für Männer "don" und für Frauen "Doña" plus den Vornamen.

4. Obwohl Costa Rica in der Karibik liegt, sollte man eine Jacke mit in den Urlaub nehmen, denn im Valle Central und bei den Vulkanen kann es ziemlich kalt werden.

5. Man sollte IMMER Antimückenspray benutzten, vorallem in Guanacaste und Puntarenas und ganz besonders in Limón!! Morgens nach de Aufstehen und im Lauf des Tages mehrmals nachcremen. (Mein Tipp: Off Deep Woods, das hält alles ab)

6. Egal wie alt man ist, als Frau wird man hier in Geschäften oder im Taxi oft mit "niña" (kleines Mädchen) angeredet, oder auch mit "mi reina" (meine Königin) oder "mi amor" (mein Schatz). Das ist normal und sollte einem keinen Grund zur Sorge geben.

7. Wenn man ein Haus oder Geschäft betritt sagt man bis 12md "Buenas Dias", bis 6pm "Buenas Tardes" und danach "Buenas Noches". Oft wird auch nur die kurzform "Buenas" gebraucht.

8. Man begrüsst sich hier unter Männern mit Händeschütteln, unter Frauen mit einem Küsschen auf die rechte Wange und den Worte ¿Cómo está? Auf diese obligatorische Frage erwartet man keine ehrliche Antwort, sondern nur ein zu einem einzigen Wort zusammengezogenes - Bien, gracias, ¿usted?

9. Man sollte als Ausländer klarmachen, dass man KEIN Gringo ist, sondern Europäer.

10. Taxis sind hier weinrot und tragen die gelbe Aufschrift Taxi, jedenfalls die registrierten. Als Ausländer sollte man sich an die halten und die unregistrierten "Piratas" vermeiden. Es ist sinnvoll, den Taxifahrer zu bitten, das Taxometer einzuschalten, weil man sonst schamlos abgezockt wird. (Man sagt: - Ponga la marea, por favor.) Der tazifahrer wird warscheinlich sagen, dass das nicht funktioniert, doch wenn man Anstalten macht, auszustiegen, repariert es sich meist auf wundersame Weise.

11. In San José sollte man nachts nicht durch die Strassen laufen, wenn man Ausländer ist, ganz besonders nicht an der grossen Bushaltestelle, der "coca cola".

12. Wenn man im Restaurant eine Cola bestellt, wird man seltsam angeschaut (Man bittet damit um eine Zopfgummi) Wenn man allerdings eine Coca verlangt, bekommt man tatsächlich das Getränk gebracht.

13. Man sollte nie die Kamera oder das Handy allzu offensichtlich zeigen und auch keinen teuren, echten Schmuck tragen.

14. Blonden Frauen wird hier "macha" hinterhergerufen, am besten ignoriert man das einfach.

15. Wenn ein Huas keine Klingel hat (wie die meisten hier) ruft man "upe" oder schlägt das Schloss an den Zaun, um auf sich aufmerksam zu machen.

16. Man sollte nie erwähnen, dass Deutschland eine bessere Fussballmannscjft hätte als Costa Rica - mit dem Fussball sind die Ticos sehr eigen.

17. Wenn man sich auf dem Weg schnell mal etwas zu trinken oderzu essen kaufen will, tut man das in der Pulperia oder dem Minisuper. (in grossen Supermärkten muss man immer seine Tasche abgeben, was ziemlich viel Zeit in anspruch nimmt)

18. "Trinken" heisst hier "tomar" und nicht wie in Spanien "beber", Kartoffeln sind "papas" und ein Auto ein "Carro".

19. Man sollte immer einen Regenschirm dabeihaben, oder jedenfalls in der Regenzeit.

20. Die 5-colon-Münzen sind tatsächlich echt, auch wenn sie wie Spielgeld aussehen.

21. Drogerieartikel kauft amn hier in der "Farmacia", die gleichzeitig auch Apotheke ist.

22. Streunde Tiere auf der Strasse sind ganz nornal, auch Prefrede oder Kühe.

23. Im Bus sollte man sich immer an den Gangplatz setzen. Was in Deutschland als unhöflich gilt, ist hier eine Vorsichtsmassnahme für Touristen: Wenn der Sitznachbar plötzlich ein Messer aus der Tasche zieht und Geld fordert, kann man der Situation am Gangplatz schnell entfliehen - am Fensterplatz ist das nicht möglich.

24. Die Ticos sind stolz auf ihr Land und ihre Kultur und nehmen einem das Wort "entwicklungsland" sehr übel.

25. Die Ticos sind gastfreundliche, hilfsbereite Menschen, die den Toursiten ihr land zeigen wollen. Wenn man um Hilfe bittet, wird man die finden.

1 Kommentar 28.2.05 17:13, kommentieren

Trockenzeit - Regenzeit.

Wenn man ein Jahr in Costa Rica lebt, bemerkt man, was das europäische Klima mit 4 Jahreszeiten doch manchmal für sich hat. In Costa Rica teilt sich das Jahr in nur 2 Epochen auf : von Juni bis Oktober "Winter" und von November bis Mai "Sommer". Diese Namen könnten etwas verwirrend wirken - erstmal sind sie umkehrt zum deutschen Klima und mit einem "Winter" würde man hier ja auch nicht rechnen. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man eigentlich die Namen "Regenzeit" und "Trockenzeit" verwenden sollte.

Hier, in Guanacaste (der wohl heissesten Provinz Costaricas) fällt das Thermometer eigentlcih selten unter 25 Grad und erreicht schon mal Spitzenwerte von 37 Grad Celcius. In der Trockenzeit ("Sommer" ist das aber kein so grosses Problem - man muss ich einfach im Schatten aufhalten. Wenn ab Juli aber der Regen beginnt, wird das ganze für Nicht-Ticos ein bisschen unangenehm - die Luftfeuchtigkeit steigt auf 80 Prozent oder mehr und verwandelt das gesamte Land in eine Waschküche. Es regent jeden Tag : anfangs nur abends einmal, ab August täglich mehrmals ab 4 pm und im September muss man mit "Temporales" rechnen: 10 Tage Regen am Stück ohne eine Sekunde Pause. Das führt zu dem ständigen Verlangen, sich abzutrocknen, weil man sich immer irgendwie nass oder klamm fühlt, die Wäsche wird nicht mehr trocken und die Haare der meisten Menschen verwandeln sich in wild wucherndes Chaos. Die Ticos scheint das Ganze aber nicht gross zu stören - wenn sie aus dem Huas gehen, wissen sie, dass sie nass werden und nehmen gleich den Regenschirm mit. Auch wenn sie den verloren oder vergessen haben, lassen sie sich davon nicht den Tag verderben: irgendwo wohnt immer "der Freund vom Cousin von einer Mitschülerin", bei dem man einen Regenschirm leihen kann. Und selbst wenn das mal nicht der Fall sein sollte : da wird einfach das Handy in eine der kleinen Plastiktüten gesteckt, die die Ticos für diesen Zweck immer dabei haben und gesagt: "Von ein bisschen Regen ist noch keiner gestorben".

Von "ein bisschen Regen" zu sprechen ist allerdings eine masslose Untertreibung - wenn es hier regnet, dann richtig. Innerhalb von 5 Minuten steht das Wasser knöcheltief auf den Strassen und wenn man in einem der Häuser mit Wellblechdach lebt, versteht man vom Lärm der Tropfen auf dem Metall sein eigenes Wort nicht.

So nasas der Winter sein mag, desto trocken aber auch der Sommer. Von November bis Mai fällt kein einziger Tropfen Regen in dieser Zone, was manchmal sogar für Probleme mit der Stromversorgung führt (wenn die Wasserkraftwerke austrocknen). Trotz eines halben Jahres strahlenden Sonnenscheins und Sommerhitze das ganze Jahr fehlt mir aber doch ein bisschen das, was ich gewohnt bin: die ersten Schneeglöckchen, die fallenden Blätter im Herbst, der erste Tag, an dem na ein T-Shirt anziehen kann, wie es jeden Tag ein bisschen früher hell und ein bisschen später dunkel...

Naja, wir werden sehen, ob ich immernoch genauso denke, wenn ich im Januar die 36 Grad hier verlass und mit den arktischen Temperaturen in Deutschland kämpfen muss.

1 Kommentar 20.8.07 18:53, kommentieren

Muttertag in Costa Rica.

In Costa Rica wird der Muttertag nicht wie im Deutschland im Mai gefeiert, sondern am 15. August jedes Jahres. Die Mutter hat hier im Leben aller Menschen ein hohen Stellenwert, doch der eigentliche Sinn des Muttertags hat sich hier inzwischen ein bisschen im Konsumrausch verloren. Schon Monate vorher wird in Radio, Fernsehen und Zeitung mit Anzeigen bombadiert, die sagen:

"Kauf Mama zu diesem Muttertag das, was sie sich wirklich wünscht! Wir haben alle neuen Handymodelle vorrätig, da ist auch für deine Mutter eins dabei!"

"Riesenangebot im Autohaus! Wenn du deiner Mutter heute ein Auto kaufst, sparst du 15 Prozent!"

"Weil sie Mutter und Freundin ist, verdient sie doppelt Geschenke! Kauf im August eine Waschmaschine und nimm den Trockner für die Hälfte des Preises mit!"

Anzeigen, die meine Geschenke in Deutschland zum Muttertag (Blumen und Pralienen) doch ein wenig mickrig erscheinen liessen. Beim Gespräch mit meiner Gastschwetser fand ich aber schnell heraus, dass auch sie nicht geplant hatte. ihrer Mutter ein Handy oder eine Waschmaschine zu kaufen und wir überlegten uns ein presiwerteres, aber mehr von herzen kommendes Geschenk. Letztendlich kam Markela dann die zündenede Idee: Eine Serenata.

Eine Serenata ist eine alte Costaricanische Tradition, die man für die Personen veranstaltet, die man liebt: Die Ehefrau, die Freundin oder in diesem Fall eben die Mutter. Für diesen Zweck sucht man sich ein paar Freunde zusammen und es wird derjenige auserkohren, der halbwegs 3 Akorde auf der Gitarre zustande bringt. Dann sucht man sich ein bekanntes Liebeslied und ändert den Text der Situation entsprechend ein bisschen ab (ändert in diesem Fall als "meine Liebe" in "Meine Mutter". In der nacht des Muttertags schleicht man sich mit einer Ausrede aus dem Haus (oder klettert notfalls durchs Fenster) und versammelt sich mit den Freunden und macht sich dann bewaffnet mit Notenblatt, Halsbonbons und Gitarre auf den Weg. Nacheinander wird jedes Haus der Teilnehmenden angesteuert, der Hund mit ein paar Hundekuchen zum schweigen gebracht und vor dem Fenster der schon schlafenden Mutter das speziell zugeschnitte Lied gesungen. Nicht wenige Mütter kamen zu Tränen gerührt im Morgenmantel vor die Tür geschlurft und meinten "Das wäre das schönste Geschenk, dass sie sch hätten vorstellen können".

 

20.8.07 17:39, kommentieren

Immer sponatn und immer zu spät - Das Verhältnis zur Zeit in Costa Rica.

Die Wohl grösste Umstellung, die ein Europa in Costa Rica durchmachen muss, ist die Einstellung zu Zeit, Terminen und Pünktlichkeit. Aus Deutschland bin ich es gewohnt. dass schon Drittklässler eine Verabredung mit einem Freund erstmal "im Terminkalender abchecken müssen" - etwas, was hier überhaupt nicht möglich ist. Alle Termine werden spontan festgesetzt, denn der durchschnittliche Tico plant nicht mehr als 24 Stunden im voraus. So kann es passieren, dass man um 7 Uhr morgens angerufen wird und erzählt bekommt, dass man in einer Stunde zum Strand aufbricht. Allerdings muss man einplanen, dass man auf diese Stunde, die zur Verabredung fehlt, noch einmal eine Stunde hinzurechnen muss - die Hora Tica.

In Costa Rica kommt man nie pünktlich, und die durchschnittliche Verspätung liegt bei etwa einer Stunde. Da das aber jeder weiss, gibt es damit kaum Probleme - wenn wir uns um 3pm verabreden, kommen sowieso alle erst um 4pm oder 4.30pm. Es würde aber hier niemand auf die Idee kommen, sich deswegen zu beschweren, wie das in Deutschland ja meist schon bei 10 Minuten Verspätung der Fall ist. Man lebt hier nicht wie in Europa nach der Einstellung "Zeit ist Geld", sondern eher nach dem Prinzip "Komm ich huer nicht, komm ich morgen." Ein Phänomen, was man besonders alle 3 Monate beobachten kann, wenn die Strom- und Wasserrechnungen zu bezahlen sind. Jedes Kind in Costa Rica weiss, dass man dafür 3 Monate Zeit hat, aber die gesamte Bevölkerung pilgert am letzten Tag vor Fristablauf zu den Banken. Alles wird in letzter Minute erledigt. Trotzdem ist das Leben hier auf wundersame Weise sehr viel stressfreier. Man lebt nicht unter dem ständigen Zeitdruck, arbeitet nicht immer gegen irgendeine Deadline an (denn die wird sowieso nie eingehalten). Wenn man den Bus um 10am verpasst, nimmt man eben den nächsten, und niemand beschwert sich. Eine Mentalität, die ich bewunderswert finde, und die inzwischen schon auf mich abgefärbt hab. Genau wie meine Mitschüler beginne ich jetzt auch am 10. des Monats mit meinem Schulprojekt, wenn der Abgabetermin der 5. ist. ich weiss, das ich locker noch Zeit hätte, 2mal um den Block zu laufen, wenn meine Schwester drängelt. "Wir gehen jetzt gleich". (Meistens verlassen wir das Haus etwa 1,5 Stunden nach dieser Ansage)

Aber warscheinlich ist das der Grund dafür, dass es in Costa Rica kaum die in Deutschland so berühmten "Managerkrankheiten" wie Bluthochdruck oder Magengeschwüre gibt. Das Leben verläuft einfach viel ruhiger, wenn es nicht bis in die letzte Minute durchgeplant ist. So kann man auch mal auf der Strasse mit der Nachbarin ein Schwätzchen halten, ohne dass im Hinterkopf eine Uhr tickt, die dir sagt, dass du schon wieder zu spät zu einem Termin kommst. Es kommt diese schöne Gefühl von Urlaub auf - ohne Stress, ohne Hektik, ohne Zeitdruck. Die einzige Eigenschaft, die man nicht besitzen darf, ist Ungeduld.

17.7.07 19:16, kommentieren

"Explotación" Comunal - Das Baumprojekt.

In Costa Rica gibt es ein vom Gesetz vorgeschriebenes Projekt für die Schüler der 10. Klassen, ohne das niemand das "Bachilerato", dem Abitur vergleichbar, bekommen kann. Früher ging es bei dieser Arbeit, genannt "Trabajo Comunal" ( etwa: Arbeit für die Gesellschaft) darum, den Menschen in der Stadt zu helfen, etwas Gutes zu tun und die eigene soziale Position wertschätzen zu lernen. Die Schüler sollten in 30 Stunden etwas, was sie selber können, anderen beibringen; für die Stärkung der costaricanischen Kultur im Land arbeiten oder in Institutionen wie Altersheimen oder Kindergärten helfen. In den letzten Jahren ist dieser Sinn allerdings ein wenig verloren gegangen und das Projekt hat unter den Schülern einen neuen Namen bekommen: "Explotación Comunal" ( Ausbeutung für die Gesellschaft).

Da ich in diesem Jahr ganz normale Schülerin in Costa Rica bin, muss auch ich an diesem Projekt teilnehmen. Zuerst war ich voll und ganz damit einverstanden, denn mit 4 Freundinnen hatten wir mehrere nette Ideen. Doch dann fingen die Probleme an: unser erster Plan, im Krankenhaus zu helfen, wurde von der Schulleitung abgelehnt, weil wir etwas erarbeiten sollten, was mit der costaricanischen Kultur zu tun hat. Aber auch der 2. Vorschlag, ein kleines Museum über die Geschichte und Sitten Nicoyas in der Schule zu errichten, wurde nicht akzeptiert. Diesmal war die Begründung, wir sollten etwas innerhalb der Schule erarbeiten. Um sie Elemente "anderen etwas zeigen", "Schule" und "Kultur" zu verbinden, reichten wir als 3. Projektausarbeitung eine AG "Typische Costaricanische Tänze" für die Grundschüler ein. Diesmal waren wir uns ziemlich sicher, dass unsere Arbeit allen gestellten Anforderungen gerecht würde, doch auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt, ohne erkennbaren Grund. Schliesslich wiesen uns ein paar Elftklässler, die sich vor einem Jahr in der gleichen Situation wie wir befanden, darauf hin, dass der Sinn der "Trabajo comunal" von den meisten Schulen dahin verändert wurde, dass man nicht der Gesellschaft, sondern der Schule etwas Gutes tun soll. Also erarbeiteten wir einen 4. und letzten Vorschlag: Die Grünzonen der Schule verschönern. Dieses Projekt wurde sofort unter Freude angenommen und wir wurden für die gute Idee beglückwünscht. Uns allen bleibt zwar bis heute unverständlich, auf welche Weise ein paar Bäume auf dem Schulhof der Gesellschaft helfen, aber so verzweifelt wie wir waren, blieb uns keine andere Wahl. Als wir allerdings am ersten Ferientag die Zone, die uns zugewiesen wurde, genau betrachteten, verstanden wir den Namen "Explotación Comunal": Das, was Peter Lustig seinen "Unkrautgarten" nennt, ist ein perfekter englisches Golfrasen gegen die Wildnis, die wir in ordentlich bepflanzte Zonen verwandeln sollten. Erschwerend kam noch hinzu, dass wir eine reine Mädchengruppe waren und mit höchst spartanischer Ausrüstung arbeiten mussten: 2 Rechen, 2 Kinderschaufeln, eine Machete und eine "Macana" (ein langer Eisenstab zum Löcherausheben). Die erste Hälfte unserer 30 Stunden kämpften wir eigentlich nur gegen den Ort, den man augenscheinlich 20 Jahre als Müllkippe der Schule missbraucht hatte, und den wir "el infinito" (die Unendlichkeit) tauften. Nach 15 Stunden Arbeit (natürlich auf mehrere Tage verteilt) schafften wir es endlich, die darunter verborgene Erde zum Vorschein zu bringen - der Rest der 300 Meter, die uns noch fehlten, erschien dagegen wie ein Sommerpicknick. Als wir auch diese von Steinen, Dreck und Unkraut befreit hatten (wobei noch das Wetter erschwerend hinzukam: die Arbeit in der pralle Sonne sorgte für den 2. "Sonnenbrand meines Lebens", begannen wir, Löcher zu graben und kleine Heckensätzlinge einzupflanzen. Weitere 5 Stunden, viele Blasen an den Händen uns Ameisenbisse später setzten wir endlich das letze Pflänzchen und alles was noch zu tun blieb, war das Verbrennen der Abfälle. Einige Mitgleider der Gruppe hatten grosse Lust, das lustig flackerende Feuer auf die Schule zu lenken, die uns so schamlos ausgebeutet hatte, um keinen Gärtner bezahlen zu müssen. Letzendlich überlegten wir uns dann aber, dass uns das warscheinlich nicht wie erhofft eine Statue mit unseren Namen auf dem Schulhof einbringen würde; die Bekämpfung der "Unendlichkeit" aber vielleicht doch. Denn die Schulleiterinnen waren hellauf begeistert, dass wir es tatsächlich geschafft hatten, den Zaunbereich, der seit mehr als 5 Jahren nicht mal mehr einen Rasenmäher gesehen hatte, in eine halbe Parkanlage zu verwandeln. Wirklich gelohnt hat sich die Arbeit für uns allerdings nicht: Bis die Planzen gewachsen sind, wird wohl keiner von uns mehr diese Schule besuchen. Aber eine andere Gruppe von Schülern kann in 3 Jahren ihre "Ausbeutung" damit verbringen, unsere Bäumchen zu hegen uns zu pflegen. Die Gesellschaft muss wohl warten.

14.7.07 00:28, kommentieren

Für einen Euro in den Traumurlaub - Ferien in Sámara.

Wenn man in Guanacaste, Costa Rica, lebt, kann man mal eben spontan mit dem Linienbus in den Traumurlaub fahren.

Wie immer begann auch diese Reise ganz spontan: beim Kochen am Freitagmittag meinte meine Gastschwester plötzlich: "Pack deine Badesachen ein, wir fahren in den Urlaub!" Nur eine Stunde später bezahlten wir dann unsere 650 Colon(etwa 1 Euro) für den Bus und machten uns mit den Rucksäcken auf nach Sámara. Auf der Fahrt wurde ich dann mit ein paar Details versorgt: am Strand befand schon die ganze weitere Familie, und obwohl es eigentlich nicht geplant war, dass Markela und ich auch kommen, "wäre das wohl kein Problem". In Sámara wartete schon ein Onkel mit dem Auto auf uns und wir fuhren vorbei an den Touristenhotels und bogen um mehrere Ecken bis wir schliesslich in einer einsamen Bucht ankamen, in der nur eine einzelne "cabina" stand. Diese Cabina könnte man wohl im weiteren Sinne als Ferienwohnung bezeichnen, obwohl sie wohl nicht ganz den deutschen Standartansprüchen genügt: Es handelte sich um eine unmöbelierte Holzhütte mit Open-Air-Dusche und jeder Menge "Haustieren", 5 Meter vom Wasser entfernt. Hinter der Hütte befand sich ein kleiner Mangrovensumpf, der nach Einbruch der Dunkelheit für das besonders bei den Kindern beliebte Spiel "Ist-es-ein-Krokodil-oder-ein-Ast" sorgte. Was mich aber viel mehr beunruhigte war die Grösse der Cabina, und ich begann im Kopf noch einmal schnell zu überschlagen, wer alles da sein müsste: Tio Jose mit Frau und 4 Kindern, Tio Wilmer mit Frau und 4 Kindern, Tio Carlos mit 2 Kindern, Tia Flor mit Mann und Kind, plus die Grosseltern, Markela und mich. Aber da wir ja hier in Costa Rica sind, war das kein Problem: Markela und Ich wurden zum schlafen kurzerhand auf den Balkon ausquartiert und die restlichen Leute quetschten sich eben immer zu zweit auf eine der mitgebrachten Martratzen. Zu mehr als zum Schlafen wurde die cabina sowieso nicht genutzt, immerhin hatten wir den Traumstrand vor der Tür! So verbrachte wir den ganzen Tag draussen, schwammen im Meer, planschten mit unseren Cousins in der Brandung, spielten Domino oder "Ron" (eine costaricanische Abwandlug von Rommee) und beobachteten die Touristen. Diese rümpften meist abfällig die Nase, wenn sie unsere bescheidene Hütte sahen, was mich über meine Ferien nachdenken lies: Wir hatten zwar kein Zimmer, dafür aber den absoluten Meerblick; kein 5-Sterne-Restaurant, dafür aber den Spass einer 20-Personen-Feldküche;keinen Swimmingpool, dafür aber den Ozean vor der Tü; keine Animation, dafür aber Seilspringwettbewerbe am Strand; kein All-inclusive, dafür aber meine Abuela, die wie warscheinlich alle Omas der Welt stets darum besorgt ist, dass wir verhungern könnten und uns so den ganzen Tag mit Kuchen, Keksen, Galletas con atún (Cracker mit Thunfisch) und Würstchen versorgte. Natürlich fehlte ein bisschen der "Luxus", den die Touristen hier suchen, wenn sie in den Urlaub fahren. Dafür hatten wir aber jede Mange Spass. Und so sollte Ferien doch eigentlich sein, oder?

1 Kommentar 9.7.07 17:29, kommentieren